Leserbrief

Verklärung eines Raubtiers

Die Rückkehr der Wölfe auch in die Lüneburger Heide bewegt weiter die AZ-Leser – manche sprechen von Verharmlosung der Gefahr, andere warnen vor Stimmungsmache.
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Die Rückkehr der Wölfe auch in die Lüneburger Heide bewegt weiter die AZ-Leser – manche sprechen von Verharmlosung der Gefahr, andere warnen vor Stimmungsmache.

Zum Artikel „Im Ernstfall Pfefferspray“ (AZ vom 27. Juli) schreibt Ulrich Merz aus Növenthien:

Ich bin wie immer sehr beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit „Wolfsberater“ Menschen beraten. Die Frage, die ich mir stelle – aus welchem Erfahrungsschatz oder Fundus wird geschöpft, eben diese Beratung rechtfertigen zu können. Bisher hat sich nämlich nichts von dem bewahrheitet, was uns von einseitig orientierten Interessengruppen vorgegauckelt wurde.

Eine „selektive Wahrnehmung“, die Herr Bullerjahn nannte, geht auf ihn zurück. Herr Bullerjahn und andere suchen positive Eigenschaften heraus, die für einen bestimmten Zweck besonders geeignet sind. Es ist bloß nicht klar, für welchen Zweck der Wolf positiv besonders geeignet ist, wenn im gleichen Atemzug Empfehlungen der Einschränkung an das Verhalten von Reitern und Vorschläge für Sicherungen von Fohlen und Weidetieren gemacht werden.

Herr Bullerjahn sprach auch eine „generelle Entwarnung“ aus. Donnerwetter! Welche Weitsicht. „Generell“ impliziert auch „Ausnahmen“. Eine Ausnahme kann überall und jederzeit zur Regel werden. Mit Feuer wird gespielt, doch löschen müssen die Geschädigten und wir Wald- und Flurbesucher.

Für die Löschung ist ein Wolfsberater nicht mehr zuständig. Noch ein Wort zur „selektiven Wahrnehmung“. Diese dient auch dem Eigenschutz oder der Eigensicherung. Alarmglocken schrillen, die Nackenhaare stellen sich hoch. All das ist ein instinktives Verhalten, dass auch noch der „Jetztzeitmensch“ in seinen Genen gespeichert hat. So werden zum Beispiel Kriminalitätsschwerpunkte von der Allgemeinheit gemieden. Der Instinkt warnt auch vor Gefahren, die von Großraubtieren drohen. Wäre unser Instinkt nicht vorhanden, würden wir lächelnd in jegliche Gefahr laufen – mit unabsehbaren Folgen.

Der Instinkt wurde entwickelt, um überleben zu können. Es ist eine völlig natürliche Reaktion vom Menschen, Angst zu haben vor Unberechenbarkeit und vor einer Stärke, der er physisch nichts entgegensetzen kann. Die Reaktion dient dem Überleben des Individiums. Da hilft auch kein Pfefferspray.

Die Zukunft und nur die Zukunft wird es zeigen, für welchen Zweck ein Raubtier in unserer Kulturlandschaft geeignet ist, das von Herrn Bullerjahn und anderen mit Vehemenz verteidigt, verklärt und für sein Verhalten, ständig entschuldigt wird.

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