AZ-Leserbrief

Ein verheerendes Signal

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Die Oberschule Uelzen bekommt mit Apollonia von Braunschweig-Lüneburg, der Schwester von Herzog Ernst, eine neue Namensgeberin. „Altbacken“ wie die Optik des Schulgebäudes, befindet AZ-Leser Nicolai Trümper aus Uelzen.

Zum neuen Namen „Apollonia Oberschule Uelzen“ (die AZ berichtete mehrfach), schreibt Nicolai Trümper aus Uelzen:

Nun soll also die Oberschule Uelzen eine Namenspatronin bekommen. Nachdem Theodor Heuss und Friedrich Schiller vorerst ausgedient hatten und für einen rund fünfjährigen Zeitraum niemand an ihre Stelle trat, ist dies ein zu begrüßender Schritt. Ein Name ist bekanntlich nicht immer nur Schall und Rauch, sondern verbunden mit Identifikation und ideellen, wenn nicht sogar ideologischen Werten.

Apollonia von Braunschweig-Lüneburg, wer war diese Person? Eine Prinzessin, die als „etwas wunderlich“ und „zurückgezogen lebend“ beschrieben wird, als „Problemfall“ für die Familie, die sich als Nonne des Zisterzienserordens „hartnäckig“ der Reformation verweigert hat. Ob eine solche Persönlichkeit mit der Strahlkraft eines Gotthold-Ephraim-Lessings mitzuhalten vermag, der so wichtige und versöhnliche Werke wie „Nathan der Weise“ verfasst hat – diese Frage scheint sich indes niemand so recht gestellt zu haben. Aber ist der Bezug zur Stadtgeschichte höher zu bewerten als jene fundamentalistisch-konservativ angehauchten Werte, die „Apollonia“ als namensgebende Persönlichkeit verkörpert?

Das mag zwar zu der etwas altbacken daherkommenden, bräunlich-grauen Farbgebung des Hauptgebäudes passen, wohl nicht aber zu dem Geist, der einer Bildungseinrichtung innewohnen sollte. Das Ewiggestrige sollte keinen Platz haben an einem Ort, wo es vor allem darum geht, jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu bieten und auf das Leben nach der Schule vorzubereiten.

In einer Zeit, in der die bayerische Landesregierung das Aufhängen religiöser Symbole zu erzwingen sucht (und damit der verfassungsgemäßen Trennung von Kirche und Staat zuwiderläuft) und in einer Zeit, in der religiöser Fundamentalismus weltweit großes Unheil anrichtet, halte ich das Signal, das von der zukünftigen Benennung der Oberschule Uelzen ausgeht, für verheerend. Der Effekt auf die Außenwirkung der Schule: ungünstig. Es mag drängendere Probleme geben als das Finden eines neuen Namens für eine Schule, jedoch geht es hier auch um die Werte des Humanismus und der Aufklärung, deren fortwährende Betonung nicht dringlich genug sein kann.

Viele Namen fallen mir ein, die sowohl einen Regionalitätsbezug haben als auch mir geeigneter erscheinen als „Apollonia“: Friedensreich Hundertwasser (schon aufgrund der unmittelbaren Nähe des gleichnamigen Bahnhofs), Hanna Ahrendt (als gebürtige Hannoveranerin und Repräsentantin eines geistig-politischen Pluralismus), Heinrich Heine, der in Lüneburg kurzzeitig seine Wirkungsstätte hatte. Menschen, die ihrer Zeit voraus waren wie Annette von Droste-Hülshoff. Und viele andere, deren Namen gar nicht erst zur Debatte standen. Chance vertan?

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