AZ-Leserbriefe zur aktuellen Diskussion um den möglichen Bau des Ilmenausees in Uelzen

Ein vergrößerter Löschteich

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Die Idee eines Ilmenausees sorgt unter den AZ-Lesern für Diskussionen. Für die einen ist es ein vergrößerter Feuerlöschteich, für die anderen ist der See eine Chance, die Innenstadt attraktiver zu gestalten und Kaufkraft anzulocken.

Die Diskussionen um die Argumente für und gegen einen möglichen Bau des Ilmenausees beschäftigen nach wie vor die AZ-Leser. So schreibt Alfred Fahldieck aus Uelzen zur Kolumne „Wer Visionen hat“ (AZ vom 26. Mai 2018):

Visionen sollte man nicht verteufeln, unsere Welt wäre ohne sie viel ärmer. Aber die Mittel sollten auch zielführend sein. Ein großes Beton-Wasserbecken wird keine Menschen anlocken, auch wenn man es „Stadtgrün“ nennt. Das jetzige Grün lockt schon jetzt in den Abendstunden viele Menschen von jung bis alt an, und dient darüber hinaus der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.

„Visionen sind gut, wenn sie der Allgemeinheit nutzen."

Viele Gegner dieses Teiches am Herzogenplatz haben auch Visionen: Mit dem Geld bezahlbaren Wohnraum schaffen und damit junge Familien aus Hamburg nach Uelzen locken; nicht alle Menschen, die sich die Mieten in Hamburg nicht mehr leisten können, haben gleich das Geld, hier ein Eigenheim zu bauen. Oder mit dem Geld einen wirklich naturnahen See gestalten, der Menschen, Tiere und Pflanzen miteinander leben lässt. Oder unsere Straßen und Wege benutzerfreundlicher gestalten, oder, oder, oder…

Visionen sind gut, wenn sie der Allgemeinheit nutzen und nicht nur einigen wenigen, in diesem Sinne wünsche ich unseren Lokalpolitikern viele schöne Visionen.

Ob immer noch der Geist des Uhlenköpers unterwegs ist, fragt sich derweil AZ-Leser Alfred Bormann aus Uelzen im Zusammenhang mit dem geplanten Ilmenausee und erinnert an andere Visionen:

Ist es möglich, dass der Geist des Uhlenköpers in unserer Stadt noch vorhanden ist? Man denke dabei an Uelzen-Convally (Uelzen, die IT-Stadt), das Hundertwasser- Musical oder das landwirtschaftliche Rapsöl-Geschäft mit der Ukraine.

All diese Projekte sollten unsere Stadt nach vorn bringen, haben aber außer einer Schuldenerhöhung nichts gebracht. Jetzt wird uns ein vergrößerter Feuerlöschteich mit einer Fläche von 40 mal 60 Meter (2400 Quadratmeter) als See verkauft. Bei Wikipedia ist nachzulesen, dass die Mindestgröße eines Sees einen Hektar (10 000 Quadratmeter) beträgt. Wenn die Bezeichnung See bei der Beantragung der Fördermittel auftauchen sollte, ist das Projekt sofort gestorben, darum die Bezeichnung „Zukunft Stadtgrün“.

Das Flussbett der Ilmenau verläuft im Bereich des neuen Teiches in einem leichten Außenbogen. Äste und anderes Treibgut werden sich dort ablagern und zu verstärkter Sedimentbildung führen. Folgekosten sind hier nicht kalkulierbar. Es bleibt zu hoffen, dass bei Politik und Verwaltung die Vernunft siegt und die Uhlenköpereien sich nicht durchsetzen.

Ein Plädoyer für den Ilmenausee hält Monika Eichmann aus Uelzen:

Natürlich findet man immer etwas auszusetzen, wenn es nicht ins eigene Bild passt. Die Verwaltung und der Rat hatten sicherlich an vielerlei Stellen, als Sparbeschlüsse gefasst wurden, nicht die Möglichkeit gehabt, anders zu handeln.

Aber jetzt wird den Bürgern der Stadt die Möglichkeit eröffnet, mit einem umfassenden Marketingkonzept die Stadt zu verschönern und noch lebenswerter für die Einwohner und vor allem auch für Neubürger zu machen.

Ich bin kürzlich mit einer Stadtführerin und 17 anderen Besuchern von außerhalb mit wachen Augen durch die Stadt gegangen und war „not amused“, wie viel in unserer Stadt noch zu tun ist, um junge Familien zu begeistern, ihren Wohnsitz nach Uelzen zu verlegen, Busunternehmer zu bewegen, mit einem vollen Bus einen ganzen Tag in Uelzen zu verbringen und hier ihr Geld auszugeben.

„Wir benötigen dringend mehr Kaufkraft in der Stadt."

Denn wir benötigen dringend mehr Kaufkraft in Uelzen. Mit dem Hundertwasser-Bahnhof allein ist es nicht getan. Die Gäste kommen, besichtigen und fahren dann weiter nach Celle oder Lüneburg. Dort wird dann auch das Geld ausgegeben, weil man ein attraktives Stadtbild vorfindet.

Jetzt bekommen wir die Möglichkeit, mit sehr hohen Zuschüssen von Bund und Land endlich etwas auch in unserer Stadt zu tun. Schauen Sie sich den Leerstand der Geschäfte in Uelzen an. Das liegt nicht an den Kaufleuten, sondern ganz einfach an der fehlenden Kaufkraft in Uelzen. Und auch das Internet kann man nicht immer dafür verantwortlich machen.

Ohne die Zuschüsse für dieses Gesamtkonzept, das auch die Ilmenauauen für die Bürger nutzbar machen würde, wird weiterhin in dieser Hinsicht Stillstand herrschen, denn alleine würde die Stadt solche Maßnahmen nicht stemmen können.

Wenn wir diese Chance jetzt nicht ergreifen, muss sich der Rat in einigen Jahren zu Recht vorwerfen lassen müssen, nicht zum Wohle Uelzens und der Bürger gehandelt zu haben.

Die gewählten Vertreter im Stadtrat sollten also parteipolitisches Klein-Klein vergessen und anhand dieser Möglichkeiten mit breiter Front für den Ilmenausee und damit für eine zukunftsfähigere und attraktivere Stadt für alle stimmen.

Ob die Kosten für den See am Ende nicht deutlich höher ausfallen werden, fragt AZ-Leserin Ingetraud Schmäcke aus Uelzen:

Wieso wird ein nicht förderwürdiger sogenannter Ilme-nausee dann doch bezuschusst, wenn auf die Schnelle alte Programme von 2007 für einen Grüngürtel zusammengeschustert werden? Für einen Zuschuss müssen die Kosten für den Grüngürtel genauso hoch sein wie für den See. Dabei weiß noch niemand, wie hoch die genauen Kosten sein werden. Im Untergrund sind noch Versorgungsleitungen und Reste vom Lyzeum und außerdem steht auch die genaue Tiefe des Beckens noch nicht fest.

Zunächst soll die Straße verlegt werden – damit werden Fakten geschaffen. Was passiert also, wenn mit dem Ausschachten begonnen wird und wie am alten Rathaus viele neue Hindernisse auftauchen? Dann wird alles teurer und auch die Summe für den Grüngürtel muss erhöht werden und der Eigenanteil erhöht sich weiter.

Die Gewerbesteuer bricht laut AZ-Bericht ein, die Parkpalette ist marode, die Technik vom Theater ebenfalls, die Zuschüsse zum Kindergarten und zur Betreuung bei einer Tagesmutter sind auch notwendig.

Das Programm Zukunft Stadtgrün soll für eine Verbesserung sorgen. Aber unser Ilmenauteich fügt sich nicht in die Natur ein, ist nicht umweltfreundlich in Bezug auf Flora und Fauna und ist nicht kinderfreundlich. Dazu kommen Verkehrsstaus mit entsprechenden Abgasen und viel Kosten für die Straßenverlegung des Bedienungsringes usw.

Es kommt kein neues Grün in die Stadt, sondern nur eine einbetonierte große Badewanne, allerdings mit Fontäne.

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