Verantwortung

Zum Thema Atom-Kraft und seine Folgen:

Das Wort hat Konjunktur, flößt Vertrauen ein, lässt an Sicherheit, überlegenes Wissen und Führungsqualitäten denken, erinnert gar an Konsequenzen nach Fehlern, Irrtümern und Schurkereien. Kurz: Es eignet sich hervorragend für politische Reden ebenso wie für Reden technischen Inhalts, wenn mal wieder etwas schiefgegangen ist und man beruhigen muss. Es eignet sich deshalb so gut, weil es an all die guten Dinge erinnert, die ich oben aufzählte, sich in der Praxis meistens aber als Mogelpackung erweist, die sich gut anhört, aber keine Folgen zeitigt. Führen sie doch einmal zum Rücktritt, so bedeutet das keine Mühe mit der Fehlerbeseitigung, die an den Nachfolgern hängen bleibt, finanziell hat es meist auch keine Folgen, womöglich noch eine saftige Abfindung statt Schadenersatz leisten zu müssen. In den Reihen der Wissenschaften allenfalls zum wohlbezahlten Ruhestand. (Natürlich gilt dies alles nur für die oberen Etagen. Das niedere Volk haftet wie früher.) Unmodern geworden ist dagegen das, was die Japaner einmal unter Harakiri verstanden haben. Im Westen schoß man sich eine Kugel in den Kopf, was inzwischen dank Waffengesetz hierzulande auch aus der Mode kommt. Anlass für diese Erörterung ist die „Verantwortung“, die unsere Eliten hinsichtlich der reichlich verspäteten Einsichten für die „Zivile Nutzung der Kernkraft“ zu tragen haben. Wer mag sich wohl hinstellen und die „Verantwortung“ dafür übernehmen, dass uns allen jahrzehntelang Million nach Million Mark, dann bis heute Euro aus der Tasche gezogen wurden, um sie in die Entwicklung der AKWs zu stecken, obwohl eine ganz einfache natürliche Tatsache den grundlegenden Fehler aufzeigt, der in der Idee steckt, nicht versteckt, sondern ganz offen, für jedermann mit normalem Verstand einsichtig. Auf den Punkt gebracht: Die Nutzung der Kernspaltungsenergie ist möglich und sinnvoll, wenn es gelingt, jeden Fehler und jeden Irrtum bei Projektierung, Entwurf, Ausführung, Betrieb und Lagerung zu vermeiden. Aber: Reale Menschen erfüllen diese Voraussetzung nicht, sie irren sich und machen Fehler. Die AKW-Technik kommt aber ohne Menschen nicht aus, so dass zwangsläufig irgendwann Fehler auftreten. Damit schließt sich der Kreis: Die Sache ist nicht realisierbar. Da sie zwar bei höchster Konzentration in Labor und Versuch funktioniert, auf die Dauer im Alltagsbetrieb sich aber erfahrungsgemäß Fehler, Irrtümer und schließlich kleine und größere Schlampereien einstellen, die vom Betriebspersonal irgendwann nicht mehr eliminiert werden können. Spätestens dann, wenn schon bei Entwurf und Auslegung mögliche äußere Ereignisse nicht genügend berücksichtigt wurden, sind Katastrophen vorprogrammiert, wie Futushima bewiesen hat. Werden trotzdem AKWs gebaut, müssen wir alle mit untragbaren Risiken leben Diese reichen, vergleichbar mit anderen Techniken, von Verletzung bis Tod einzelner Personen bis zu dem ganzer Gruppen, aber im Gegensatz zu fast allen anderen Techniken weit darüber hinaus zur Unbewohnbarkeit und Vernichtung allen Lebens in weiten Landstrichen sowie Strahlenschäden bei überlebenden Opfern bis ins 3. oder 4. Glied, wie es in der Bibel heißt. Nur ein „Kippen“ des Klimas mit starker Erhöhung der Temperaturen oder ein großer Meteoreinschlag könnte ähnlich vernichtende Folgen haben. Auch die Wahrscheinlichkeitsrechnung hilft trotz aller Kommastellen hinter der Null nicht weiter, weil sie keine Garantie für den Eintritt einer Katastrophe hinsichtlich des Datums liefert, Es kann in tausend Jahren passieren, in zweihundert Jahren, schon nächstes Jahr oder auch heute nacht. Auch der Zeitpunkt einer Wiederholung ist nicht vorhersagbar. Die letzte ist gerade acht Wochen her, die nächste kann schon morgen folgen. Da die Folgen eines solchen Unglücks sich nicht an politische Grenzen halten, müssten alle Nachbarländer dem Bau eines oder gar mehrerer AKWs in einer eindeutigen Volksabstimmung zustimmen, wobei immer noch der ablehnenden Minderheit ein Vetorecht zustände, da mit deren Leben gespielt wird. So etwas ist aber niemals auch nur versucht worden und selbst die Mehrheit in den Ländern, die zugestimmt haben, wurde ganz gezielt desinformiert, statt informiert, so dass meines Wissens auch nicht in einem einzigen Land eine bewusste Entscheidung für den Bau von AKWs getroffen wurde in voller Kenntnis des Risikos. Wenn doch, würden sich traditionsbewusste Samurei jetzt ein gutes Messer kaufen. Ersatzweise werden, vermute ich mal, die Abfindungen kräftig erhöht um über die Schande hinweg zu trösten, diese Zusammenhänge alle gekannt zu haben und trotzdem so gehandelt zu haben, wie unsere Entscheidungsträger gehandelt haben. Denn eins dürfte ihnen nicht gelingen: sich auf pure Dummheit zu berufen.

Waldemar Herrmann

Eimke

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