Unwürdige Abschiebepraxis

Siegfried Jacke aus Ebstorf schreibt zur AZ Berichterstattung über die Abschiebung afghanischer Flüchtlinge:.

Warum ich die jüngst begonnene systematische Abschiebung von Afghanen als Irrsinn bezeichne, mag folgendes Einzelschicksal zeigen: Mohamed (Name ausgetauscht) stammt aus einem Dorf im Südosten des Landes. Bis zu seinem 13. Lebensjahr besuchte er die weit entfernte Schule. Dann durfte er dort dann nicht mehr hingehen, weil der Weg zu gefährlich war: Es drohte ein Kidnapping durch die Taliban oder die Gefahr, angeschossen oder erschossen zu werden. Zu Hause unterrichtete ihn sein Vater bis zu dessen Tod. Als Mohamed 17 Jahre alt war, schickte seine Mutter ihren einzigen Sohn auf die Flucht – in der Hoffnung, dass er ein sicheres Leben beginnen könnte. Die abenteuerliche, mehrfach lebensbedrohliche Flucht dauerte drei Jahre. Nun wartet er seit anderthalb Jahren auf die Anhörung und die Entscheidung, ob er als Asylbewerber anerkannt wird. Inzwischen hat er gut Deutsch gelernt und wird schon häufig als Dolmetscher angefordert. Er besucht die 11. Klasse zur sozialpädagogischen Ausbildung. Sein Lebensmotto: „Ich möchte Menschen helfen.“

Sollte er nach Afghanistan abgeschoben werden, droht ihm die Erpressung durch die Taliban: Entweder wird er zumindest mit der Androhung der Erschießung dafür bestraft, dass er aus „unserem Land Afghanistan“ geflohen ist oder er wird gefangen genommen, um als Soldat der Taliban zu dienen.

So trägt Deutschland zur Stärkung des Terrors bei. Und das Ganze geschieht im Namen des Staates, in dessen Grundgesetz der Kernsatz lautet: Die Würde des Menschen ist unantastbar!?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare