Unverantwortliche Atompolitik

Zu den Terrorwarnungen: Die Terrorwarnungen der vergangenen Wochen haben bei mir ein zwiespältiges Gefühl ausgelöst.

Bewaffnete Polizisten auf Bahnhöfen, intensivere Personenkontrollen bei Großveranstaltungen und der Reichstag soll gegen mögliche Anschläge auch noch besser geschützt werden ... Nur, was ist, wenn sich ein möglicher Anschlag durch „Terroristen“ auf einen Castortransport, ein Atomkraftwerk oder gar auf das völlig unzureichend bewachte Zwischenlager in Gorleben richtet ? Eigentlich nicht auszudenken!

Allerdings: das ist ja nur die eine Seite der latenten Gefahr; denn was die Atomenergie anbetrifft, so lauern noch völlig andere Gefahren; und zwar die Gefahren, die uns aus dem Inneren der Kernkraftwerke selbst drohen. Diesbezüglich offenbart ein aktueller Schwachstellenbericht zu den Siedewasserreaktoren der Baureihe 69 ganz gravierende Sicherheitsdefizite und Mängel. So heißt es in dem Bericht aus dem Oktober 2010 des Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften in Wien, dass die schwerwiegenden Konstruktionsmängel durch keinerlei Nachrüstarbeiten ausgeglichen werden können.

Der von insgesamt acht hochrangigen Fachleuten erstellte Bericht geht darauf ein, dass eine große Gefahr von möglichen Ermüdungsrissen ausgeht, dass weitere Schädigungsprozesse durch den Dauerbetrieb zu erwarten sind, dass für das Kraftwerk Krümmel eine „Thermo-Schock-Analyse“ fehle und dass das dortige Brennelemente-Lagerbeckern außerhalb des Sicherheitsbehälters liegt. Darüber hinaus habe man auch bei keinem der deutschen Atomkraftwerke die Möglichkeit von Erdstößen oder Erdbeben in der Konstruktionen berücksichtigt und es sei besonders brisant laut Erkenntnissen der Wissenschaftler, dass in den betroffenen Atomkraftwerken bevorstehende Risse nicht rechtzeitig erkannt werden können.

Selbst vom TÜV wurde aktuell Folgendes zugegeben: weder die Werkstoffwahl, noch die Fertigungsbedingungen entsprechen den Forderungen des Basissicherheitskonzeptes, zusätzlich werden die Prüfbedingungen durch die Mängel bei der Herstellung derart eingeschränkt, dass auch eine Fehlererkennbarkeit nicht gewährleistet ist. Käme es zu einem schweren Unfall in einem Atomkraftwerk, dann käme es laut der Studie mit Sicherheit zu einer großen Freisetzung von Radioaktivität in die Umgebung mit all ihren gefährlichen lebensabtötenden Folgen durch die Strahlung.

Alles dies sind Gefahrenstellen, die bei einem ernsthaften Unfall schnell dafür sorgen können, dass riesige Teile von Deutschland plötzlich nicht mehr bewohnbar sind. Vom Atomkraftwerk Brokdorf sind es bis Hamburg etwa 60 und von Krümmel bis Hamburg gerade mal 30 Kilometer. Das heißt, im Falle eines Falles müsste man ganz Hamburg einfach aufgeben, drum herum eine riesige Sperrzone errichten und die Menschen, so weit sie überhaupt überlebt haben, auf den Rest von Deutschland verteilen. Dass das einem Kollaps des deutschen Staates gleichkommen würde, kann sich sicherlich jeder zusammenreimen.

Und übrigens liebe Kommunal- und sonstige Politiker, die man euch so gut wie nie in Uelzen sieht, wenn mal gegen die Atompolitik in Uelzen demonstriert wird: von Krümmel bis Uelzen sind es noch nicht mal 60 Kilometer, bis zur Kreisgrenze (Bienenbüttel z.B.) mal gerade 35 Kilometer. Ähnlich sieht es im Übrigen auch in Bezug auf Gorleben aus (55 Kilometer nach Uelzen, 35 bis zur Kreisgrenze). Und vielleicht noch eine Zahl, die den gesamten Wahnsinn der Atomenergienutzung zeigt: um denjenigen deutschen Atommüll, der bis jetzt schon in den französischen Atomanlagen in La Hague liegt zurückzuholen, sind noch mindestens 200 - eher wahrscheinlich sogar noch 300 Castortransporte notwendig!

Eckart Warnecke,

Uelzen

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