Unsere Schlauheit überschätzt

Die vielen Flüchtlinge kommen nun, um sich ein Stück vom Kuchen zu holen, den man ihnen gestohlen hat, meint AZ-Leserin Magrit Kuhlmann-Jürs. Foto: dpa

Magrit Kuhlmann-Jürs aus Bad Bevensen schreibt zur aktuellen Berichterstattung zum Thema Flüchtlinge und zum Leserbrief von Ulf Zergiebel, „Leid nicht verschweigen“ (AZ, 9. September 2015):.

Wir, damit meine ich die sogenannte westliche Zivilisation, aber auch Japan und die Emirate, haben unseren Reichtum letztlich einer Jahrhunderte langen, rücksichtslosen Ausplünderung zu verdanken. Der Ausplünderung von Völkern, von Ressourcen und Ökosystemen. Und wir haben – wie Herr Zergiebel schon schrieb – die Massenmedien inklusive Internet entwickelt, auf dass die ganze Welt von unserem Überfluss erfahre. Und jetzt kommen sie in Scharen, die Ausgeplünderten, die Flüchtlinge vor Kriegen, die wir – aus Habgier oder Dummheit – nicht selten mit zu verantworten haben. Sie kommen, um sich ein Stück von dem Kuchen zu holen, den wir gestohlen haben. Da haben wir wohl unsere eigene Schlauheit überschätzt.

Aber anstatt zu lamentieren und zu wehklagen, sollten wir froh sein, dass wir nur die aufgelaufenen Zinsen zahlen müssen und nicht die Gesamtschulden der von uns verursachten Zerstörungen. Die bezahlen nämlich – in erzwungener Solidarität – ausnahmslos alle, die auf diesem Planeten leben.

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