AZ-Leserbrief

„Und dann wundern sie sich“

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Thüringen, Erfurt: Protest gegen die Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten. „Diese Art der Vergeltung war klug inszeniert“, findet AZ-Leser Hans-Günther Bothe.

Zur Thüringen-Wahl erreichte die Redaktion dieser Leserbrief:

Plötzlich wackelt die Demokratie: ... In fuchsschlauer Manier zeigten sie (AfD-Anhänger, Anmerk. d. Red.) in Thüringen eine Strategie, die die anderen etablierten Parteien so noch nicht erlebt haben. Die AfD hat gezeigt, dass sie es in taktischer, wortgewandter und strategischer Form in jeder Hinsicht mit den anderen Parteien aufnehmen kann.

Hinsichtlich dieser Tatache sollte doch mal einer auf die Idee kommen, sich mit dieser Partei auseinanderzusetzen und nicht, wie unter anderem in vielen Talkshows üblich, sie auszuschließen.

Falls sie aber doch mit dem Knüppel der Arroganz und in überheblicher Besserwisserei an die Wand gedrückt wurden, war diese Art der „Vergeltung“ klug inszeniert. Jetzt wurden die Vertreter der Volksparteien von der AfD in Thüringen mit einem legitimen, demokratischen Nacht-und-Nebel-Angriff so überrascht, dass sie völlig orientierungslos quer durch die Republik flatterten.

Als der Rauch vorbei war, sahen einige die Demokratie untergehen. Eine Sitzung jagte die andere. Plötzlich waren sich alle einig. Selbst unsere oberste demokratische Wächterin „Angie“ war außer sich und forderte Neuwahlen. Der 24-Stunden-FDP- Ministerpräsident wurde kurzerhand von seinem allwissenden Chef Lindner an den Galgen des Rücktritts gezerrt. Klappte. Was für eine blühende Demokratie.

Und dann wundern sie sich, dass die AfD so einen Zulauf bekommt. Die Suppe des schauspielerischen Könnens der Unwahrheiten dürfen sich alle Politiker dieser Republik teilen, bis auf einige Ausnahmen.

Hans-Günther Bothe, Bienenbüttel

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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