„Wer denkt an die Kinder?“

Beke Haberstrohs Mutter Regina sollte sich laut AZ-Leser Karl Jongeling an die Landtagsabgeordneten der Grünen und der SPD wenden.
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Beke Haberstrohs Mutter Regina sollte sich laut AZ-Leser Karl Jongeling an die Landtagsabgeordneten der Grünen und der SPD wenden.

Zum Thema der Einführung einer IGS in Uelzen und dem Artikel „Der steinige Weg zur Förderschule“ (AZ vom 5. September) schreibt dieser Leser:

Zum Projekt IGS im Kreis Uelzen oder: Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt.

Vorweg: Der provokante zweite Satz ist der Titel eines Buches, das 2017 erschien. Der Autor Josef Kraus leitete viele Jahre eine Schule und weiß, wovon er redet.

Zur Diskussion über eine Integrierte Gesamtschule (IGS) im Kreis Uelzen: An einer IGS werden alle Schüler gemeinsam unterrichtet, lernschwache Kinder zusammen mit Hauptschülern, Realschülern und Gymnasiasten.

Einige Uelzener Mütter machen sich nun Sorgen, ob ihr Kind es auf dem Gymnasium schafft, können sich aber auch nicht für die Oberschule entscheiden, was vernünftig wäre. Die Oberschule ist doch keine Sackgasse, denn nach der zehnten Klasse können ihre Absolventen aufs Gymnasium wechseln, sofern sie den Erweiterten Abschluss schaffen. Aber angeblich werden schwächere Schüler auf einer Oberschule gemobbt: Kann das nicht auch an einer IGS passieren?

Doch die IGS ist nun einmal die neue Wunderwaffe, und da haben unsere Politiker nicht den Mut, zu sagen: „Mit uns nicht.“ Grüne und SPD springen sofort auf den fahrenden Zug und kritisieren die CDU und die UWG, weil diese erst einmal gründlich überlegen.

Wer denkt eigentlich an die Kinder, die besonderen Schutz und besondere Förderung brauchen, weil sie in der Gemeinschaft mit leistungsstarken Schülern nur Misserfolge haben? Ich denke an die kleine Beke. Ihre Mutter möchte, dass ihre Tochter eine Förderschule besucht. Im Kreis Uelzen gibt es aber keine Förderschule mehr. Die rot-grüne Regierung hat sie abgeschafft.

Weil Bekes Mutter ihr Kind nicht auf die Oberschule in Uelzen oder die KGS in Bevensen schicken möchte, beantragt sie, dass Beke und ihre Betreuerin jeden Tag mit dem Taxi nach Bleckede zur dortigen Förderschule gefahren werden – auf Kosten des Steuerzahlers. Die Kreisverwaltung kann nicht anders, als den Antrag abzulehnen.

Sie ist aber nicht schuld. Schuld ist die Vorgängerin der jetzigen Landesregierung – die damalige rot-grüne Koalition. Sie hat die Abschaffung der Förderschulen durchgedrückt. Bekes Mutter sollte sich an die Landtagsabgeordneten der Grünen und der SPD wenden, am besten gleich an Kultusminister Tonne, und sie soll ihn bitten, in Uelzen wieder eine Förderschule einzurichten. Aber sowohl die Grünen als auch die SPD sind ja schon wieder mit einem neuen Allheilmittel beschäftigt, der Gründung einer IGS. Irgendwie muss man es doch schaffen, die Bildungsnation Deutschland „an die Wand zu fahren“. Karl Jongeling, Uelzen. Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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