Zum Leserbrief „Akzeptiertes Risiko“ und der Diskussion um den Bau der Ilmenauhalle in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet.

Leserbrief: „Wahrscheinlichkeit ausreichend, ihn abzulehnen“

Für AZ-Leser Klaus Walte spricht die Statistik eher gegen einen Neubau der Ilmenauhalle am alten Standort. Foto: beye
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Für AZ-Leser Klaus Walte spricht die Statistik eher gegen einen Neubau der Ilmenauhalle am alten Standort.

Zum Leserbrief „Akzeptiertes Risiko“ und der Diskussion um den Bau der Ilmenauhalle in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet.

Professor Dr.-Ing. Hartmut Wittenberg aus Oetzendorf schreibt, ein „hunderjährlicher Hochwasserabfluss HQ100“ bedeute, dass die statistische Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines solchen Hochwassers in jedem Jahr ein Prozent sei. Damit hat er recht.

Dann aber behauptet er, dass die Wahrscheinlichkeit des Eintretens „in einem Zeitraum von 100 Jahren daher eins“ sei und erklärt damit, dass ein Hochwasser HQ100 für einen Hundertjahreszeitraum mit Sicherheit zu erwarten sei. Das ist falsch, denn man kann die Wahrscheinlichkeiten dabei nicht einfach addieren. Das würde nämlich zum absurden Ergebnis führen, dass für einen betrachteten Zeitraum von mehr als 100 Jahren die Wahrscheinlichkeit für ein HQ100 größer als eins würde.

Wittenberg verkennt, dass es sich um einen Mittelwert handelt, dass also ein Jahrhunderthochwasser auch mehrmals in hundert Jahren auftreten oder jahrhundertelang ausbleiben kann. Mitnichten muss also ein Jahrhunderthochwasser innerhalb von 100 Jahren mit Sicherheit, also mit der Wahrscheinlichkeit eins, eintreten. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass in einem Hundertjahreszeitraum kein HQ100 eintritt, ist 36,6 Prozent (nämlich 0,99 hoch 100). Somit ist die Gegenwahrscheinlichkeit, dass mindestens ein HQ100 innerhalb von hundert Jahren eintritt, 63,4 Prozent.

Mit dieser Korrektur will ich mich jedoch keineswegs für den Bau der Bienenbütteler Mehrzweckhalle im Überschwemmungsgebiet aussprechen, sondern halte die angegebene Wahrscheinlichkeit für ausreichend, ihn abzulehnen.

Klaus Walte

Himbergen

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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