„Tiefes Mitgefühl“

Leserbrief zur alten Schule am Gänsekamp in Suderburg

Die alte Schule am Gänsekamp in Suderburg hat keine Zukunft mehr. Dort soll ein Krippen-Gebäude entstehen. AZ-Leserin Isa von Bismarck-Osten ärgert sich, dass das Gebäude nicht erhalten bleibt.
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Die alte Schule am Gänsekamp in Suderburg hat keine Zukunft mehr. Dort soll ein Krippen-Gebäude entstehen. AZ-Leserin Isa von Bismarck-Osten ärgert sich, dass das Gebäude nicht erhalten bleibt.

Zum Bericht „Rat beschließt Abriss der alten Schule“ (AZ vom 29. Juni) äußert sich diese Leserin:.

Ich habe tiefes Mitgefühl mit den 520 Suderburgern, die sich mit ihrer Unterschrift für den Erhalt der alten Schule in Suderburg eingesetzt haben und nun – aufgrund eines Formfehlers – möglicherweise zusehen müssen, wie ein ortsprägendes Gebäude des Architekten Wilhelm Matthies abgerissen wird. Da muss man kein Suderburger sein, um zu trauern. Da reicht es, sich für Baukultur zu interessieren!

Tatsächlich war es die Baukultur in diesem Landkreis, die meinen Mann und mich 2015 bewogen hat, von Köln hierher zu ziehen und einen ehemaligen Zehnthof von 1701 Stück für Stück zu erhalten und zu sanieren. Vielleicht muss man von außen kommen, um zu erkennen, welche Anziehungskraft die hiesigen intakten Dörfer mit Häusern und Höfen in Fachwerk- beziehungsweise Backsteinbauweise haben. Und vielleicht ist es auch dieser andere Blick, mit dem wir nahe Neubaugebiete betrachten und uns fragen: Ist die Jahrhunderte alte Baukultur in dieser Region es nicht wert, zitiert zu werden?

Wir sind dankbar für das Umfeld eines Museumsdorfs Hösseringen und für all jene, die mit uns die Begeisterung für die lokale Baukultur weitertragen. Mit großem Wohlwollen verfolgen wir die Welterbe-Initiative unseres Nachbar-Landkreises Lüchow-Dannenberg, in deren Rahmen sich 19 Rundlingsdörfer als Unesco-Weltkulturerbe bewerben.

Was wir von den Nachbarn lernen können: Einsatz für die Sache! Haben Sie sich überlegt, was es bedeutet, eine Welterbe-Initiative in 19 Dörfern voranzutreiben, mit 99 Prozent der Gebäude in Privatbesitz? Das ist komplex!

Und wir hier im Landkreis Uelzen? Wir schaffen es nicht einmal, eine einzelne Schule für die Nachwelt zu erhalten. In einer Zeit, in der die Wertschätzung für Bausubstanz auf dem Land historisch hoch ist! In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft eine Art „Gamechanger“ für den Klimawandel werden kann. Wenn diese Schule abgerissen wird, dann sollten wir Gleichgesinnte das zum Anlass nehmen und eine Initiative fUEr Baukultur gründen. Isa von Bismarck-Osten, Natendorf

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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