Wie ein Theaterstück

Leserbrief zum Artikel „Uelzens Kraft ist die Basis“, (AZ vom 30. Juli) und Claus-Dieter Reeses „Kritik an Kolumne“, (AZ vom 4. August):.

Fordern Kommunalpolitiker (wie Otto Lukat, Claus-Dieter Reese) den Bau der A 39, muss dies keinesfalls sinnvoll sein. Denn auch Politiker vor Ort kümmert zu wenig um die finanzielle Situation, wenn sie die A 39 fordern, obwohl bereits für die laufende Unterhaltung vorhandener Infrastruktur das Geld fehlt. Ein Beispiel: Die Stadt Uelzen mit ihren maroden Brücken oder der Landkreis Uelzen mit seinem hohen Haushaltsdefizit und dem ewigen Ruf nach mehr Landesmitteln. Rührt die Finanzmisere in öffentlichen Haushalten – einschließlich kommunaler Haushalte – nicht zuletzt aus der Kurzsichtigkeit der Politiker, die zwar Neubauten fordern, aber mit Neuschulden finanzieren, jedoch stets die immensen Folgekosten vergessen (siehe z.B. das Schließen von Bädern und anderer öffentlicher Einrichtungen)?

Ökonomische Inkompetenz kann auch eintreten, wenn A-39-Befürworter eine zusätzliche betonierte Trasse durch die Landschaft schlagen wollen – mit allen damit verbundenen Zusatzkosten.

Das Argument, der Verkehr auf der B 4 habe stark zugenommen, ist richtig. Es sind Maut-Flüchtlinge. Na und, Flüchtlinge versuchen nur, sich gegen Eingriffe in ihre Freiheit durch das Verlassen angestammter Räume (hier Autobahnen) zu entziehen. Dass der A-39-Bau den Verkehr auf der B 4 nur um weniger als 30 Prozent reduzieren würde, steht in den von Land und Bund bestellten Verkehrsuntersuchungen.

Also müssten zur Entlastung an der B 4 trotzdem Ortsumgehungen gebaut werden. Dass die L 270 nur durch einen Bau der A 39 und nicht schon durch den Ausbau der B 4 entlastet wird, ist (vorsorglich) nicht untersucht, geschweige denn nachgewiesen. Nur wenn genügend Autbahnauffahrten gebaut werden, könnten Entlastungen eintreten. Einschlägige Unterlagen sehen jedoch für 100 Kilometer Autobahn nur sehr wenige vom Bund finanzierte Auffahrten vor. Jede zusätzliche Auffahrt wäre Sache der finanzschwachen Kommunen. Die Herren Reese und Lukat erwähnen in ihren Ausführungen bewusst die finanziellen Risiken einer Milliarden teuren (bitte nicht mit Millionen verwechseln) A 39 mit keiner Silbe. Kein Wunder bei dem (auch von den Politikern Lukat und Reese) unbestritten niedrigen Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1,9. Herr Lukat sieht die A 39 zwar als unverzichtbar, aber nicht als alternativlos an.

Also geht doch noch was! Wie wär’s also meine Herren? Nicht die A 39-Kritiker nur hänseln und der Polemik bezichtigen. Es gibt die sinnvolle, Steuermittel sowie Natur schonende Alternative: Ein vierspuriger Ausbau der B 4 mit entsprechenden Ortsumgehungen (siehe bereits gebaute Stadtumgehungen Gifhorn, Uelzen und Lüneburg) würde beampelte Ortsdurchfahrten entlasten und dort wohnende Bürger schonen. Gleichzeitig wäre der (von Experten beschriebene) Brems- und Beschleunigungslärm erheblich aus den Orten an der alten B 4 verbannt. Und diese Alternative käme den öffentlichen Haushalten erheblich günstiger.

Albrecht Jaep,

Wrestedt

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