„Tenor der letzten Zeit“

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Ende Oktober wurden in Uelzen Flüchtlinge in der Sporthalle des Lessing-Gymnasiums untergebracht. Die Halle ist mittlerweile wieder für den Sportunterricht verfügbar.

Zur Berichterstattung „So kriminell sind Flüchtlinge“ (AZ vom 13. Januar) schreibt Matthias Heuer aus Uelzen:

Wenn die AZ auf Seite 1 die Schlagzeile „So kriminell sind Flüchtlinge“ bringt, passt das leider nur zu gut zum Tenor vieler Leserbriefe der letzten Zeit, in denen Flüchtlinge diffamiert werden. Ich möchte nicht Flüchtling sein und AZ lesen...

Dabei geht es doch auch anders: Bei der Auswahl zum Menschen des Jahres wurde gerade erst eine engagierte Flüchtlingshelferin vorgestellt. Selbstverständlich gehört eine kritische journalistische Berichterstattung auch zum Thema Flüchtlinge zu den Aufgaben jeder Zeitung. Aber wozu diese Schlagzeile? Unter dem Strich lässt sich doch gerade für Uelzen herauslesen, dass Menschen, die in Uelzen Zuflucht gefunden haben, nicht mehr oder weniger kriminell sind, als der Uelzer selbst.

Und wenn jemand tatsächlich negative Erfahrungen mit Flüchtlingen (oder anderen Menschen) machen sollte, wäre eine Anzeige bei der Polizei sinnvoller als ein Anruf bei der AZ, auch wenn auf Seite 3 heute tatsächlich dafür geworben wird, dass möglichst viele Menschen aus dem Landkreis als „Informanten“ tätig werden sollten.

Die Herausforderung der Integration der Flüchtlinge wird nur dann gelingen, wenn denjenigen nicht die Wortführerschaft überlassen wird, die Ängste und Hass schüren.

Zu den möglichen Plänen, in Uelzen ein neues Kreishaus zu bauen, schreibt Sven Dzuba aus Suhlendorf:

Ich komme nicht aus Uelzen, bin also ein Zugezogener. Wie man Probleme auch lösen kann, habe ich in Hessen erlebt – in Frankfurt, das sehr kompetent verwaltet wird. Egal was ich über die Projekte in Uelzen lese – es endet negativ.

Das kann mal vorkommen, als Dauerzustand ist es unsäglich. Uelzen ist wirtschaftlich zu schwach, um sich einen Verwaltungswasserkopf zu leisten, der solche Ergebnisse produziert. Statt neue Kreishäuser zu bauen, ist anderes wichtiger. Nur ein Ort der Gewerbe und Wirtschaft anzieht, wird auch wirtschaftlich so stark sein, dass er sich solche Kreishäuser leisten kann. Das ist hier nicht der Fall. Hier hilft kein Titel wie „Hanse“ oder (der Hinweis) darauf, dass man auf Tourismus setzt. Das macht jede strukturschwache Region. Es werden wirklich gute Ideen gebraucht. Man wird dabei leider auch Interessengruppen auf die Füße treten müssen, die wirtschaftliche Entwicklungen verhinderten. Dazu gehören Naturschützer und Landwirte. Fortschritt geht eben nicht mit Rücksichtnahmen.

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