Stuttgart 21 in kleinerer Dimension

Zu den Bauvorhaben in Bad Bevensen:

Euphorisch werden in Ihrem Bericht vom 19. 10. 2010 etliche Großbauvorhaben für Bevensen bejubelt und auch mit recht „netten“ Euro-Summen unterlegt. Ich sehe das anders. Ein Kleinod, das seinesgleichen sucht, war bisher der Kurpark, eine Art Gesamtkunstwerk Lenne‘scher Prägung. Der wirklich schönste Teil ist der große Teich und es erschließt sich mir nicht, weshalb diese in jeder Weise perfekte Anlage jetzt zerstört und dann umgestaltet werden soll, aus meiner Sicht eine Schnapsidee.

Bis zu einer Vollendung wird das Jahr dauern und die bisherige Geschlossenheit und Schönheit dieser Parkanlage werden dahin sein, schade.

Leider habe ich auch an den anderen Großvorhaben zu bemängeln, dass es mit der Kultur in Bevensen bergab geht: Leseraum mit ausreichendem Zeitungsangebot sowie ein adäquater Ort für Theateraufführungen und Konzerte sind nicht so wichtig (Quelle: Frühere AZ-Veröffentlichungen). Dafür Gläubigkeit an Web-Design (Computersimulationen) und Förderfristen für EU-Gelder. Vom Eigenanteil i. H. v. 500 Tsd- Euro sind da nur am Rande die Rede. Computersimulationen sind Theorie und leider nie die Praxis. Gewinner, und die muss es ja schließlich auch geben, sind wenigstens die auswärtigen Planungsunternehmen, schön für Bad Bevensen.

Ich befürchte wegen der massiven Behinderungen einen jahrelangen Rückgang beim Tourismus und für die Bevenser Wirtschaft und saftige Einnahmeeinbußen. Ich selbst werde meine Bevensen-Aufenthalte in den nächsten Jahren deutlich zurückfahren und kann auch in meinem großen Freundes- und Bekanntenkreis in Berlin diese nachteiligen Entwicklungen im Kurpark und Kurhauskomplex nicht verschweigen, denn innerhalb von Großbaustellen möchte niemand Urlaub machen. Es reichen schon die (notwendigen) Umbauten innerhalb des Thermalbades.

Für den Kurpark angebracht wäre indes individuelle, ständige und liebevolle Pflege. Hier sollten Kosten und Mühe nicht gescheut bzw. eingespart werden.

Wenn es auch hergeholt erscheint: Das Ganze mutet ein wenig an wie Stuttgart 21, wenn auch nicht in solchen Dimensionen. Die kleine Kurstadt Bad Bevensen jedoch wird sich womöglich in den nächsten ca. drei bis vier Jahren mit nicht unwesentlichen nachteiligen Folgen dieser vielfach überflüssigen und teuren Umgestaltungen konfrontiert sehen.

Wilfried Hösch

Berlin (z. Zt. im Urlaub in Bad Bevensen)

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