Leserbrief

Auf die Stimme Gottes hören

Zu unserer Berichterstattung über den Terroranschlag von Berlin schreibt Gottfried Kramer, Pastor im Ruhestand, aus Altenmedingen:

„Was kann man machen, wenn man nichts mehr machen kann?“ Vor solcher Frage habe ich als Pastor wiederholt gestanden. Das Geschehen in Berlin berührt uns alle zutiefst, nicht zuletzt in unserem Glauben an Gott – weil wir bei fast allen Terroranschlägen hören mussten „Al hu Akbar“. Auch wenn das gotteslästerlich in unseren Ohren klingt und unsere Bilder von Gottes Willen herausfordert – die islamischen Terroranschläge sind nicht zu erfassen ohne „Religion“.

Frühere Zeiten wussten noch, was in solcher Situation angesagt ist: Schweigen und hören – auf die leise Stimme Gottes. Dem entsprach das sogenannte „Trauerjahr“, auf das sich die Gemeinschaft einigte. Was wäre, wenn alle religiös Interessierten sich dahin verständigten, auf Glockenläuten und Muezzinrufe (sowie verbundene Demonstrationen der eigenen Glaubensgewissheiten) zu verzichten, um eine vereinbarte Zeit (etwa ein Jahr lang) der eigenen Besinnung auf verdrängte Gefühle Raum zu schenken?

Das Schweigen des Gewohnten könnte dem eigenen Nachdenken gut tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare