„Staustrecke verdreifacht“

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In Deutschland habe sich die Jahresstaustrecke innerhalb der letzten 15 Jahre auf über eine Million Kilometer mehr als verdreifacht, schreibt Leser Jörg Rittinghaus.

Zum Leserbrief von Borvin Wulf zum Thema „Weniger Straße, mehr Schiene“ (AZ vom 18. Mai) schreibt Jörg Rittinghaus aus Suhlendorf:

Der Suderburger „Linksdogmatiker“ Borvin Wulf holt seine Pseudoargumente gegen den Spediteur, Hubertus Kobernuss, aus der sozialistisch-ökologistischen Mottenkiste.

Wir erinnern uns: Vor Jahrzehnten plädierten dogmatische Teile der Grünen für einen Benzinpreis von fünf DM und eine Behinderung des Fernstraßenausbaus mit der Zielsetzung, den Straßenverkehr, zugunsten des Bahnverkehrs, zusammenbrechen zu lassen.

Diese einfältige Denkweise verkennt, dass die verschiedenen Verkehrsmittel sinnvoll ihren spezifischen Möglichkeiten entsprechend eingesetzt werden. Eisenerz- und Kohletransporte sind zum Beispiel sinnvoll bei Binnenschifffahrt und Bahn aufgehoben, während die Unmenge an Supermärkten durch moderne, möglichst schadstoffarme Lkw zu beliefern ist. Zurzeit findet der gesamte Frachtverkehr Deutschlands zu rund acht Prozent per Bahn und rund78 Prozent über den Straßenverkehr statt.

Eine Ausweitung des Frachtvolumens auf nur 20 Prozent über den Schienenweg würde enorme kostenträchtige Baumaßnahmen erfordern, wie zum Beispiel den Bau mehrerer Schienenstränge nebeneinander. Wenn Umweltschutz nicht kreativ und mehrdimensional gestaltet wird, verkehrt er sich ins Gegenteil.

Der jahrzehntelange, leider erfolgreiche Kampf, gegen die bedarfgerechte Erweiterung des Fernstraßennetzes hat dazu geführt, dass sich die Jahresstaustrecke in Deutschland innerhalb der letzten 15 Jahre auf über eine Million Kilometer mehr als verdreifacht hat. Das entspricht einer 24-fachen Erdumkreisung. Die vermeidbaren ökonomischen und ökologischen Kosten, unter anderem durch den erheblich gesteigerten Dieselverbauch, belaufen sich auf einen höheren dreistelligen Milliardenbetrag. Die mögliche Verringerung der Verkehrsopferquote um das vierfache auf Autobahnen gegenüber den oft baumbestandenen herkömmlichen Verkehrswegen, wird in der ökologistischen Diskussion in zynischer Weise stets ausgeklammert.

Die sozialistisch-unflexible Denkweise des Herrn Wulf, indem er das notwendige Profitstreben, ohne dass jeder Unternehmer in Konkurs gehen würde, geißelt, zeigt, dass er in den 1968er Jahren stehen geblieben ist. Das rechtsstaatlich kontrollierte Unternehmertum, vor allem der Mittelstand, wirkt mit einer gesunden Profitorientierung nicht gegen sondern für die Allgemeinheit, wie der ökonomische Erfolg Deutschlands zeigt.

Die, bei Herrn Wulf üblichen, elitären, bissigen Angriffe, hier gegen Herrn Kobernuss, wirken auf Grund seines dogmatischen, kontextlosen Denkens, nur lächerlich.

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