AZ-Leserbrief

Der Spielkreis ist ein Schatz

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Die Zukunft des Spielkreises der St.-Petri-Gemeinde ist ungewiss. Pastor Christoph Scharff-Lipinksy und Eltern fürchten das Aus, wenn andere Einrichtungen beitragsfrei werden. 

Den Beitrag „Ein Bullerbü mit Zukunftssorgen“ (AZ v. 19. April) kommentiert Wiebke Köpp aus Uelzen:

Man mag den Spielkreis St. Petri als Relikt aus den 1980ern ansehen, als Dinosaurier, der in der heutigen Zeit zwangsläufig aussterben muss: die Betreuungszeit ist kurz, zu kurz, um währenddessen arbeiten zu können. In den Ferien ist der Spielkreis geschlossen, zudem werden auch noch Elternbeiträge erhoben.

Die moderne Kita im Jahr 2018 betreut ganztags, bis zu 150 Kinder in einer Einrichtung. Die Konzepte beschreiben Projektarbeit, offene Gruppen, Funktionsecken, Bewegungsräume und Cafeterien für das gleitende Frühstück – alles maximal flexibel, auf die Bedürfnisse berufstätiger Eltern zugeschnitten. Schöne neue (Kinder-)Welt?

Im Spielkreis sind die Kinder morgens direkt im freien Spiel oder begeistern sich für die Bastelangebote. Alle kennen einander, sind sich vertraut, die Beziehungen fast familiär. Zu festen Zeiten wird gemeinsam gefrühstückt. Danach spielen die Kinder draußen, die beiden Betreuerinnen bieten Aktivitäten zu saisonal wechselnden Wochenthemen an. Höhepunkte sind Besuche bei der Bücherei, der Feuerwehr oder der Polizei sowie regelmäßige Andachten. Mit einem Abschiedslied endet der Spielkreisvormittag um 11.30 Uhr.

Starr, überkommen und traditionalistisch? Für uns und unsere Kinder ist der Spielkreis-Dinosaurier ein Schatz. Wir schätzen die Überschaubarkeit und die festen Strukturen und Rituale, die den Kindern Halt, Orientierung und Geborgenheit vermitteln. Wir legen Wert auf ein soziales Miteinander, das dem einer großen Familie ähnelt. Wir wollen unsere (Klein-)Kinder nicht in eine Ganztagseinrichtung geben, sondern ihnen die Gelegenheit bieten, außerhalb des Elternhauses für einige Stunden unter Gleichaltrigen zu sein.

Dieses Konzept bedient eine Nische, entspricht wohl auch nicht den aktuellen familienpolitischen Leitlinien. Viele Familien wünschen sich jedoch genau diese Art der Kinderbetreuung, besonders für ihre Zwei- bis Vierjährigen. Deshalb ist es uns ein Anliegen, dass der Spielkreis wie bisher für Kinder ab 2 Jahren betrieben und langfristig erhalten wird.

Wir Eltern sind hoch motiviert, dafür zu kämpfen und bürokratische und finanzielle Hürden zu meistern. Leider wurden wir erst sehr spät über die prekäre Situation des Spielkreises informiert. Wir hoffen, dass es für den Dinosaurier noch nicht zu spät ist. Sein Aussterben wäre ein Verlust für Uelzen.

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