Wir sind kein Schläger-Trupp

Leserbrief zum Wiederbeginn des Posaunenchores Bodenteich nach dem Krieg:

Im Gemeindebrief der St.-Petri-Gemeinde Bodenteich für die Monate Juni, Juli und August wird auf den Seiten 16 und 17 auch über den Wiederbeginn des Posaunenchores nach dem Krieg berichtet. Hierzu hatte ich Richtigstellungen, die ich unserem Pastor gern mitteilen wollte. Da ich 77 Jahre alt bin und mich, sowie die sechs anderen Zeitzeugen, der Bericht verärgert hat, ging ich zum Pastorat, um die wahre Geschichte zu erzählen. Natürlich war ich aufgeregt. Vielleicht kann man mir das nachsehen, denn ich wollte darstellen, dass der Bericht nicht stimmt. Ich wurde also ins Amtszimmer gebeten und habe meine Erinnerungen über die Auflösung des Posaunenchores von 1960 erzählt. Dabei wurden auch unflätige Worte wiedergegeben, die uns damals von Pastor Friese in seiner Erregung an den Kopf geworfen wurden: „Mit dem deutschen Volkslied könnt ihr keine Gemeinde ermuntern, dann blast lieber die russische Nationalhymne, da ist mehr Schwung drin. Und wenn ihr so weiterblast, dann blast ihr nicht nur Sch..., sondern sogar Quadrat-Sch...!“ Die Situation hatte sich an dem Abend 1960 schnell hochgeschaukelt. Daraufhin lösten die damals aktiven Mitglieder den Posaunenchor auf. – Unser jetziger Pastor meinte immer wieder: „Bringen Sie Fakten, bringen Sie Fakten!“ Doch welche Fakten sollte ich bringen? Ich fühlte mich in die Ecke gedrängt, nicht ernst genommen und habe mich leider wieder stark aufgeregt. Mein Bericht endete damit, dass ich sagte, dass einer der älteren Mitglieder meinte, das dem Pastor Friese eigentlich eins auf die „Fresse“ gehören würde. Als wir daraufhin von unseren jetzigen Pastor als „Schlägertrupp“ hingestellt wurden, war das Gespräch abrupt beendet. Ich wurde wegen Unflätigkeit hinausgeworfen und überlege seither, ob das 8. Gebot noch gilt.

Otto Schulz

Bad Bodenteich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare