Seebohms Nachkriegsaktivitäten

Zur Diskussion um die Seebohmstraße:

Der Stadtrat sollte bei seiner Entscheidung über die Namensänderung der „Seebohmstraße“ die Rolle Seebohms in der NS-Zeit sowie seine m. E. verfassungswidrigen Betätigungen in der Nachkriegszeit und in der Bundesrepublik Deutschland bewerten:

Professor Dr. Thomas Vogtherr hat die Übernahme jüdischer Bergwerke im Sudetenland durch die Familie Seebohm (“Antreiber für diese Lösung“, „Hauptnutznießer“) und durch den Vorstandsvorsitzenden der so gegründeten Auffanggesellschaft Egerländer Bergbau AG, Hans-Christoph Seebohm (“Nutznießer von Arisierung in großem Stil“, „Profiteur“ ) als „schwerwiegend“ für die Namens-Entscheidung bewertet: Die neue Erkenntnis über die Rolle Seebohms in der NS-Zeit könne „einen Unterschied zu denjenigen Jahren bedeuten, in denen die Erstbenennung der Straße erfolgt ist“...

Nach dem Krieg stimmt Seebohm stimmte gegen die Verabschiedung unseres Grundgesetzes. 1950 beschwerte sich der Hohe Kommissar der britischen Regierung beim Alliierten Kontrollrat bei Bundeskanzler Adenauer offiziell u. a. über folgende Äußerungen Seebohms: Im Jahre 1945 habe die Armee, nicht aber der Staat oder das Volk kapituliert. (...) Das Grundgesetz sei mit Gewalt aufgezwungen worden und stehe nicht im Einklang mit den Wünschen des Volkes.“ Als sich Seebohm 1953 gegen die Wiedergutmachung an Opfern des Nationalsozialismus ausgesprochen hatte, äußerte Bundeskanzler Adenauer zu diesem „ewigen Nazi“: „Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass dieser Herr wieder Minister im Bundestag wird.“

Vor der Bundestagswahl 1949 verhandelte Seebohm als Führungsmitglied der „Deutschen Partei“ mit der Deutschen Rechtspartei und der hessischen nationaldemokratischen Partei über einen gemeinsamen Wahlauftritt (gescheitert am Einspruch der britischen Militärregierung). Seebohms „Deutsche Partei“, schon damals ein Sammelbecken u. a. von Rechtsradikalen, trat vor der Bundestagswahl 1949 mit einem Flugblatt an, das unter einer schwarz-weiß-roten Pfeilrune folgenden Text hatte: „Und ob der Schmach, der feigen, die alles nahm, deutsche Eichen neigen ihr Haupt voll Gram.“ Seebohm bekannte seine Ehrfurcht vor den Fahnen der nationalsozialistischen Herrschaftszeit und forderte bei Versammlungen dazu auf, alle drei Strophen des Deutschlandliedes zu singen.

Als Seebohm als Sprecher der Sudetendeutschen Landmannschaft in seinen berüchtigten „Sonntagsreden“ die Angliederung des Sudetenlands ans „Reich“ und die Grenzen von 1937 forderte, protestierte US-Präsident Johnson 1964 bei Bundeskanzler Erhard. Auf Druck der CDU-Bundesregierung musste Seebohm von seinen Äußerungen Abstand nehmen. 1966 stand Seebohm im Mittelpunkt eines Prozesses wegen seiner zweifelhaften Rolle als Mitglied und Präsident der IHK Braunschweig und unrechtmäßigen Zuwendungen an seinen Hauptgeschäftsführer.

Über das würdelose und vermutlich auch nicht gerade geschäftsfördernde Lamentieren einiger engsichtiger „Happy-Seebohm-Straßenfest“- Firmen an der Seebohmstraße wegen der mit einer Umbenennung verbundenen Aufwendungen (die zudem ja bei jedem normalen Umzug hingenommen werden) kann und muss der Rat getrost hinweg gehen. So jemand darf durch die Benennung einer Uelzener Straße nicht geehrt und rein gewaschen werden. Das gebieten der Respekt vor den Opfern sowie die Würde und der Ruf von Stadt und Kreis Uelzen.

Eckehard Niemann, Varendorfer Str. 24, 29553 Varendorf

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