Schweigen aus Angst

Leserbrief zum Artikel „Ein heiterer Angeklagter“ über den erneuten Prozess gegen Robert K. , AZ vom 18. September:.

Es ist bemerkenswert, wie die Allgemeinheit das Fehlverhalten eines Angeklagten kommentiert und den Juristen sowie anderen institutionellen Beteiligten die Schuld zuweist. Zunächst sollte man sich die berechtigte Frage stellen, warum es zu keiner haltbaren Verurteilung in der 1. Instanz geführt hat? Der Geschädigte hat Zivilcourage bewiesen. Damit steht er, wie viele andere heutzutage ebenfalls, alleine da. Es werden und wurden 35 Zeugen geladen. Offensichtlich ist unter diesen geladenen Personen nicht einer, der nicht unter Stummheit, Vergesslichkeit, Blindheit oder Gehörlosigkeit leidet und sich mit dem Opfer solidarisch zeigt. Vielmehr handelt man nach der Vogel-Strauss-Mentalität und regt sich anschließend auf, wenn es zu keiner annehmbaren Verurteilung führt.

Die Solidarität zeigt sich, wie so oft heutzutage, auf Seiten der Täter. So sollte ein jeder doch einmal über sein eigenes Verhalten nachdenken, wie er sich als Zeuge vor Gericht verhalten würde. Schweigen aus Angst, Bequemlichkeit oder Solidarität mit dem/der Täter oder selbst, um noch in den Spiegel sehen zu können. Der Verteidiger macht seinen Job, einen sehr guten, da er augenscheinlich die Lücken, die sich durch die STPO ergeben, erkennt und sofort für die Rechte des Angeklagten nutzt. Das heißt aber nicht, dass er das Verhalten des Angeklagten gutheißt und toleriert. Nur stellt sich in diesem Fall doch die Frage, da es sich um einen Fall notwendiger Verteidigung handeln wird (d.h. Pflichtverteidigung), welche Alternativen der Pflichtverteidiger hat, um sich vom Verhalten seines Mandanten zu distanzieren. Es bleibt daher abzuwarten.

Sylvia Behringer,

Ebstorf

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