Leserbrief

Schule als Chancengeber sehen

Ebenfalls zur Schließung der Grundschule Stöcken schreibt Prof. Thomas Hengartner aus Uelzen:

Es soll ein kurzes, gezielt an der Schulelternschaft und der Bevölkerung vorbei laviertes Sterben sein: Ohne substanzielle Argumente und frei von planerischen Überlegungen soll die Stöckener Schule geschlossen werden.

Von verantwortungsvollem Umgang mit der Zukunft, wie Thomas Mitzlaff in seinem Kommentar in der AZ vom 17. Februar suggeriert, kann dabei nicht die Rede sein: Die finanzielle Lage von Gemeinde und Samtgemeinde ist erfreulich, die Zahlen sind keineswegs eindeutig und jene, mit denen argumentiert wird, schlicht falsch.

Die Zahlen sprechen nicht, wie der Samtgemeinbürgermeister mantraartig wiederholt „für sich“ – nein: Zahlen sprechen grundsätzlich nie für sich, sondern werden, in mehr oder weniger sinnvollen Zusammenhängen, gedeutet.

Doch hier soll es nur am Rande um die zumindest anzweifelbaren Rechenkünste der Roscher Politik gehen, sondern um das geradezu fatalistische Argumentieren mit dem demographischen Wandel.

Nein, das Dorf stirbt nicht, im konkreten Fall von Stöcken wächst es sogar – und das auch in Zukunft – nicht nur weil die Geburtenzahlen dies belegen, sondern weil die Standortattraktivität zunimmt – so sie denn nicht ohne Not und Weitsicht beschädigt wird.

Das gilt bestimmt nicht für den gesamten Osten und Süden des Kreises und bedarf auch sorgfältiger und differenzierter Einzelfallanalysen; eines aber hilft in keinem Fall, nämlich blindlings einem demographischen Abwärtstrend das Wort zu reden.

Glaubt man – was der Verfasser, Leiter eines Instituts für Spitzenforschung und Verantwortlicher für Entwicklungsstudien und -szenarien, zu tun geneigt ist – Walter Sinn, dem Deutschlandchef der weltweit drittgrößten Unternehmensberatung Bain & Company, so wird „das Zusammenspiel neuer Technologien einen Megatrend auslösen, der einen völlig anderen Lebens- und Arbeitsstil ermöglicht. Eine Folge wird auch die Rückkehr vieler Menschen in ländliche Regionen sein“ – und das in den nächsten zwei Jahrzehnten.

Grund genug also, die Schule im Dorf zu lassen und sich als Chancengeber, nicht -vernichter zu verstehen.

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