AZ-Leserbrief

Schmerzender Hansesplitter

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Aus Metall fertigt der Wallstawer Künstler Michael Hitschold die Hansesplitter. 

Den Beitrag „Uelzen als Stadt der Hansesplitter“ (AZ v. 3. September) kommentiert Sylvia Aevermann aus Suderburg:

Im April 2016 rief der Verkehrsverein, in Kooperation mit der Stadt Uelzen, Künstler und Planungsbüros auf, ein Kunstwerk für die Hanse zu entwerfen. Ein Kunstwerk mit Sitzgelegenheit sollte entstehen, das sich inhaltlich dem Thema „Hanse“ widmet. Kostenrahmen: 15 000 Euro. Realisation bis September 2016. Laut AZ vom 4. Juni 2016 wurden 15 Bewerbungen eingereicht. Der erste Platz der Jury ging an den Verkehrsturm.

Den zweiten Platz mit 300 Euro Preisgeld erhielt der „Hansesplitter“. Dieser Entwurf wurde von der Jury zwar als zu voluminös betrachtet und auch hier fehlten die Sitzgelegenheiten, nicht jedoch der Bezug zur Hanse.

Dass nun der zweite Platz der Ausschreibung für ein ursprüngliches Hansekunstwerk als neue Idee angeboten wird und in den Status eines Hansedenkmals gehoben werden soll, ist letztlich nur der überflüssige Splitter im Auge der kulturschaffenden Ausschreibungsbeteiligten.

Im Nachhinein wird der Unmut auch dadurch geschürt, dass diese Kungelei den Anschein der Günstlingswirtschaft erweckt und diese ganze Hansekunstwerk-Ausschreibung eine Farce war, die nur dazu diente, von vornherein propagierte Projekte in realisierbare Bahnen zu lenken.

Vorsichtshalber wurden ja auch gleich 40 000 Euro für eine Realisierung der Hansesplitter in die vorläufige Haushaltsplanung 2019 eingestellt. Mich wundert ein wenig, dass die übrigen elf abgelehnten Ausschreibungsteilnehmer, die Zeit und Geld in ihre Entwürfe investiert haben, ihre Meinungen nicht öffentlich kundtun. In meinen Augen zeugt dies von resignierter, wenn nicht deprimierter Verstimmung über die offensichtliche „Freunderlwirtschaft“.

Um den Anschein der Günstlingswirtschaft und die fragwürdigen Hintergründe zu widerlegen, wäre eine neue Ausschreibung um ein „Hansedenkmal“ absolut empfehlenswert. Nicht nur eine kleine Jury, oder der Kulturausschuss sollten Entscheidungsgewalt haben, sondern alle interessierten Bürger bei einem Bürgerentscheid.

Eine neue Ausschreibung würde auch den Ilmennausee wieder ins „Rennen“ bringen und der Verkehrsturm könnte exhumiert werden. Ein Ilmenausee, mit einem kleinen hübschen Verkehrsturm in der Mitte, der die Seewege der zahlreichen Hansekoggen reglementiert. Eine neue Ausschreibung wäre auch reinstes Balsam für den schmerzenden Hansesplitter im Auge.

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