Leserbrief

Sargnagel durch die Politik

+
Das Aus für die Grundschul-Außenstelle Stöcken zum Schuljahresende ist so gut wie beschlossen. Max-Heinrich Thiele-Wittig teilt sein Unverständnis über die politische Entscheidung mit.

Zu der Kolumne über die Schließung der Grundschule Stöcken von AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff („Und wieder stirbt ein Dorf“, AZ vom 17. Februar) schreibt Dr. Max-Heinrich Thiele-Wittig aus Stöcken:

Der Artikel „Und wieder stirbt ein Dorf“ von Herrn Mitzlaff hat mir aus der Seele gesprochen. Diesmal ist es leider mein Dorf, mein Stöcken. Ich bin Mitglied des Förderkreises Dorfgemeinschaft Stöcken. Im Augenblick arbeiten wir die Geschichte des Dorfes auf. Dabei wird uns umso deutlicher bewusst, wie reich das Leben im Dorf in der Vergangenheit in seiner Blütezeit war mit Geschäften, zwei Gastwirtschaften, mit vielen Handwerksbetrieben, mit Molkerei, Tankstelle, Schmiede und mit vielen gesunden Bauernhöfen, sogar mit eigener Dorfpolizei.

Der Ort hatte über doppelt so viele Einwohner wie heute und ein zufriedenes Gemeinschaftsleben, jeder kannte jeden und man traf sich auf der Straße, in der Schule, in den Gastwirtschaften und zu Feiern. Zu Theatervorstellungen, zu Tanzveranstaltungen der Vereine, der Schule, der Kirche oder der Landjugend.

Heute ist davon nicht mehr viel geblieben. Die Kommunalpolitiker bedauern das lautstark und rufen dazu auf, dieses Dorfleben wieder aufzubauen und zu verstärken. Da klingt es fast wie „Hohn“ das ausgerechnet sie es sind, die dem Dorf einen weiteren Sargnagel einschlagen. Wo treffen sich Dorfbewohner heute noch, außer in den Verbänden und privaten Kreisen?

Die Schule und die Kindertagesstätte Rübenburg sind in Stöcken im Augenblick fast die einzigen Orte, wo junge Eltern beim Bringen oder Abholen ihrer Kinder oder bei den von ihnen veranstalteten Zusammenkünften und Feiern sich treffen und sich untereinander austauschen. Und diese Möglichkeit soll ihnen nun auch noch genommen werden.

Das Schließen der Schule wurde in der Vergangenheit bereits diskutiert. Es wurde aber aufgeschoben aus Mangel an genügend Information über die Entwicklung der Schülerzahlen in der Stöckener Schule und aus Platzmangel an der Roscher Schule. An diesen Zahlen hat sich bis heute nichts geändert, deshalb kommt für die, die sich um die Zukunft des Dorfes sorgen, der jetzige Vorschlag der Schließung wie aus heiterem Himmel (...).

Welche jungen Paare können wir in dieser Situation noch für Stöcken gewinnen? Das begünstigt nur die Landflucht, die die Politik zumindest nach außen doch eigentlich auch bekämpfen will ...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare