SPD – ein Sanierungsfall

Leserbrief zur Kolumne „Meine Woche in Berlin“ von Kirsten Lühmann (SPD) mit dem Titel „Der Wählerwille zählt“, AZ vom 16. Oktober:.

Seit fast 40 Jahren bin ich SPD-Mitglied, war Unterkassierer und Wahlhelfer in Duisburg und bin zur Zeit sehr unzufrieden mit unserer SPD. Ich habe Deine Kolumne mit großem Interesse gelesen und kann Deine Auffassung überhaupt nicht teilen. Es soll uns doch völlig egal sein, ob die CDU/CSU und die Grünen eine Liebesbeziehung eingehen möchten.

Dass die Bevölkerung eine Koalition zwischen unserer SPD und der CDU/CSU anhand des Wahlausgangs wünscht, kann ich überhaupt nicht erkennen. Der Wahlausgang spricht doch Bände und die Bevölkerung konnte doch bei solchen Zahlen (26 Prozent zu 41 Prozent ) gar nicht besser ihre Wünsche zum Ausdruck bringen. Mit einigen tausend zusätzlichen Stimmen hätten die Schwarzen sogar die absolute Mehrheit erreichen können, und ihr wollt jetzt als „Steigbügelhalter“ für Angie fungieren?

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch nicht glauben, dass ihr ministergeil seid. Und ich möchte auch nicht wie vor der letzten großen Koalition den Ausspruch hören: Dann können wir wenigstens so mitbestimmen. Die Quittung habt ihr bei der nächsten Wahl bekommen. Nach meiner Meinung habt ihr gar keine Zeit zum Regieren. Ihr müsst die 150-jährige SPD von Grund auf reformieren. Oder wollt ihr wirklich so weiter machen?

Zum Wahlkampfthema Mindestlohn: Wo sind die Stimmen der Arbeitnehmer versandet, die unter 8,50 Euro verdienen? Wenn ich ein Betroffener wäre, hätte ich mit fliegenden Fahnen die SPD gewählt. Aber scheinbar haben wir gar nicht so viel Betroffene, um damit einen Wahlkampf zu führen. Zum Wahlkampfthema Infrastruktur: Brücken und Straßen im Bundesgebiet sind völlig marode und verlieren täglich an Wert. Wenn diese Maßnahmen schon längst angepackt wären, ginge es uns vielleicht nicht ganz so gut. Aber ohne intakte Infrastruktur gehen unsere Gewerbe-und Industriebetriebe über die Wupper. Und sollte der Mindestlohn tatsächlich mit der CDU/CSU möglich werden, kenne ich die Reaktion von Angie vor den nächsten Wahlen: „Die SPD soll mal ganz still sein. Ohne uns wäre der Mindestlohn nie eingeführt worden.“

Und was macht ihr? Ihr lauft Angie hinterher, damit sie endlich die Finanzierungsvorschläge für ihre utopischen Versprechungen darlegt. Lasst sie laufen und kümmert euch um die 150 Jahre alte SPD, damit wir auch mal wieder Siege feiern können und uns nicht Zuwächse von zwei Prozent als Erfolg verkauft werden.

Wilfried Kuhn,

Linden

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