Die Region herunter geredet

Zum Beitrag „IHK startet Kampagne zur A 39“ (AZ vom 2. September) schreibt Eckehard Niemann aus Bienenbüttel:.

Die Werbespots, die die IHK dem CDU-Verkehrssprecher vorführte, enthalten lediglich einige der bekannten und platten Versprechungen, diesmal aber mit Musik unterlegt. Schlimm an den Werbefilmchen mit ihrer unfreiwilligen Komik ist vor allem, dass sie unsere Region wieder mal zu Unrecht herunterreden und die hier lebenden Menschen wie unfähige Hinterwäldler beschreiben.

Zwei Unternehmer kriegen es in diesen Spots einfach nicht auf die Reihe, ohne eine A 39 ihr Rohmaterial oder auch nur Nahrungsmittel rechtzeitig in die Region zu schaffen. Eine angebliche Familie müsste demnach ohne die A 39 quasi „alleinerziehend“ ohne Vater bleiben. Ein künftiger Vater überlegt ernsthaft, ob man hierzulande bei der Geburt des Kindes überhaupt rechtzeitig ein Krankenhaus erreichen könnte oder ob man nicht doch besser „den Standort“ wechseln müsse. Auch Fans des VfL Wolfsburg stellt ein Werbefilm als unfähig dar, rechtzeitig das Stadion zu erreichen.

So werden IHK-Mitgliedsbeiträge dafür zweckentfremdet, unsere Region völlig zu Unrecht mit hergesuchten Behauptungen in düstersten Farben zu schildern. Auch nach den ausweichenden Worten des CDU-Verkehrsexperten sollte die IHK-Spitze endlich ihre unfinanzierbaren und regionsschädlichen A-39-Ideologien beenden und sich für einen realistischen und regionaldienlichen Ausbau vorhandener Verkehrswege einsetzen.

Zum selben Artikel äußert sich auch Matthias Sost aus Bienenbüttel:

Da gehen sie hin, die IHK-Zwangsmitgliedsbeiträge der hiesigen Unternehmen: 400 000 Euro für die Verbreitung eines Rechtschreibfehlers. Dazu noch die Belästigung Erholung suchender Kinogänger mit unernst behandelten ernsten politischen Themen. Familien, die einen entspannten Abend verbringen wollen, werden sich bedanken.

Es muss sehr schlecht stehen um die Aufnahme der A 39 in den neuen Bundesverkehrswegeplan, wenn die IHK zu solchen Panikmaßnahmen greift. Als IHK-Beitragszahler kann ich nur hoffen, dass dieser bald fertiggestellt sein wird. Denn die IHK hat offensichtlich immer noch nicht verstanden, dass für die Erstellung des Bundesverkehrswegeplans tatsächliche Verkehrsbedarfe herangezogen werden. Werbespots haben auf deren Ermittlung keinen Einfluss.

Das Geld für diese IHK-Kampagne wäre für die Förderung unstrittiger und notwendiger Verkehrsprojekte wie den Schleusenausbau in Scharnebeck sicher besser angelegt. Aber bitte nicht im Kino.

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