Rechts gehört dazu

Antwort auf den Leserbrief „Das Schmiermittel für rechtes Denken sind wir“, von Borvin Wulf:

Wen wundert es noch, wenn Borvin Wulf die Gesellschaft der heutigen „BRD“ als latent faschistoid darstellt. Man kann sich einfach nicht damit identifizieren, weil „wir“ ganz anders ticken. Nicht ohne Grund steht Deutschland in der Beliebtheitsskala weltweit ganz oben, u.a. wegen Empathie und Geschichtsbewusstsein. Muss man, bloß, weil der große Lebenstraum von einer linkssozialistischen Revolution in den 1970er Jahren überraschenderweise geplatzt ist, da das Volk ja bekanntlich nicht mitspielte, dieses nun auf ewig mit dem Faschismusvorwurf überziehen? Im Übrigen gehört auch rechtes Denken zum Spektrum einer parlamentarischen Demokratie, genau wie linkes. Ich wage sogar zu behaupten, dass eine Gesellschaft, deren Intellektuelle dazu neigen, gemäßigtes rechtes Denken, und sei es noch so dicht neben der Mitte positioniert, als primitiv, nazistisch und unmenschlich zu verteufeln, sich ihre Rechtsextremisten damit selbst heranzüchtet, um sie dann umso lautstärker zu bekämpfen. Wer rechtsextrem bereits in der Mitte der Gesellschaft verortet, der macht die linke Gesinnung zur Norm, und nach dieser Lesart sind alle anderen dann „unnormal“. Ich empfehle Herrn Wulf, sich mal das informative Buch von Jan Fleischhauer „Unter Linken“ zur Brust zu nehmen. Dort kann er im Kapitel „Alles Faschisten – die Linke und ihre Gegner“ Interessantes über die pathologische Dimension dieser Ideologie erfahren. Rüdiger Engel, Nettelkamp

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