Mit Realitätssinn an Zukunft denken

Leserbrief zum Artikel „A 39: Delekat fordert Weitsicht“, AZ vom 12. September, sowie eine Reaktion auf den Leserbrief von Jörg Rittinghaus zur A 39, AZ vom 21. September:.

Ja, was denn nun? Entweder, die A 39 ist notwendig, um bestehende oder seriös prognostizierte Verkehrsströme aufzunehmen – oder eben nicht. Nun, da offenbar auch die hartnäckigsten Fürsprecher der Autobahn die Kröte ihrer Unrentabilität geschluckt haben, sprechen sie nebulös von „langfristigen Überlegungen der Raumordnung“ und bemühen in diesem Zusammenhang mal wieder den berühmten „weißen, autobahnfreien Fleck“ in unserer Region. Aber was wollen sie uns damit sagen? Dass sie mit ihren Argumenten am Ende sind? Oder dass ihnen Wirtschaftlichkeit im Zusammenhang mit der A 39 letztlich egal ist?

Schließlich taugt ein „weißer Fleck“ ja wohl kaum als Begründung für ein Verkehrsprojekt dieses Ausmaßes. Denn entweder, das Verkehrsaufkommen erfordert eine Autobahn oder eben nicht. In diesem Zusammenhang dann noch von „Weitsicht“ zu sprechen, ist in meinen Augen da schon recht gewagt. Wer unsere Region infrastrukturell wirklich vorwärts bringen will, sollte Realitätssinn und Augenmaß mitbringen und auf Ausbau und Vernetzung der bestehenden Verkehrswege setzen. Und Weitsicht? Weitsicht zeigt man ja wohl kaum, indem man vor Klimawandel und steigenden Energiepreisen die Augen verschließt und unverdrossen auf verkehrspolitische Konzepte von vorgestern setzt.

Tilman Grottian,

Bohlsen

Sehr geehrter Herr Rittinghaus, die Lektüre ihrer Leserzuschrift hat bei mir mehr als nur ein ärgerliches Kopfschütteln ausgelöst. Wir wissen, dass Sie einer der eifrigsten Befürworter einer A 39 sind. Immer wieder sind Sie mit ihren Zahlenspielereien, die Sie einseitig und widerlegbar in ihrem Sinne interpretiert haben, unverdrossen aufgetreten. Wem belegbare Argumente fehlen, bedient sich am Ende aus der Kiste der Falschaussagen und Beleidigungen. Das kann ich so nicht unwidersprochen hinnehmen.

Wo leben Sie eigentlich, wenn Sie in uns Fanatiker sehen? Die Unterstellung, wir hätten nur mit Plattitüden agiert, ist wissentlich falsch und beleidigend. Unzutreffend ist auch, dass wir uns der Bekämpfung jeglicher Autobahnbauten verschrieben haben. Sie haben nicht oder wollten beharrlich nicht zur Kenntnis nehmen, dass wir von Anfang an für einen verkehrsgerechten Ausbau der B 4 mit Ortsumgehungen als Alternative zu einer Autobahn gekämpft haben. Die Prüfung einer solchen Lösung war von Anfang an politisch nicht gewollt und musste deshalb unterbleiben. Erst der Regierungswechsel in Hannover hat es möglich gemacht, auch einen 2+1Ausbau der B4 im Vergleich zu einer Autobahn zu untersuchen. Geradezu lächerlich erscheinen ihre Zahlentricksereien mit „Jahresstaustrecke“ und staubedingten Kosten. Glauben Sie im Ernst, dass 100 Kilometer neue Autobahn diese wesentlich reduzieren? Sie scheinen davon jedoch auszugehen, wenn Sie Baukosten von 1,1 Milliarden (plus weiterer Steigerungen) als Pappenstiel ansehen. Rezepte von gestern eignen sich selten zur Therapie von Problemen von morgen. Bitte nennen Sie uns endlich seriöse Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass ein Autobahnneubau auch heute noch wie vor einigen Jahrzehnten positive regionalwirtschaftliche Effekte auslösen kann. Ich fürchte, Sie werden es ebenso wenig tun wie alle anderen angesprochenen A-39-Protagonisten, weil es diese nicht gibt – oder doch? Dann her damit!

Uwe Krieg,

Masbrock

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