Purer Rassismus

Zur HEG-Abi-Vorfreude-Party: Meiner Meinung nach ist so eine Selektion purer Rassismus, für den es auch keinerlei Entschuldigung gibt. Selbst wenn es bei anderen Partys gehäuft zu Schlägereien gekommen sei, geschieht dies nie nur unter Ausländern, das Potenzial ist bei Deutschen genauso hoch.

Auch ich wäre wohl nicht in die Party reingekommen, selbst wenn ich Schülerin des LeGs bin. Trotzdem deutet mein Aussehen auf ausländische Wurzeln hin. Da kann ich dieses Verhalten nun einmal nicht befürworten.

Die Situation auf der Feier gleicht nahezu einer aus einem kürzlich bei Arte gezeigten Film, in dem nur extreme Beispiele von Rassismus in Deutschland veranschaulicht werden sollten; dies ist also definitiv keine leichte Beleidung oder jegliches in der Richtung.

Außerdem sollte man sich Gedanken machen, warum dies ausgerechnet bei der Abi-Fete eines Gymnasiums passiert, den zukünftigen Akademikern unseres Landes, passiert. Wenn dies die Zukunft Deutschlands ist, können wir uns gleich von allen Migranten verabschieden. Von solchen Veranstaltungen sind allerdings nicht nur Immigranten, sondern auch Austauschschüler betroffen. Jene werden solche Erfahrungen sicher nicht für sich behalten und in ihrem Heimatland somit zu Recht dunkle Schatten über Deutschland werfen. Da nützen alle Bemühungen der Politiker im Bereich der Außenpolitik nichts uns von unserer Vergangenheit zu befreien. Wenn wir nicht selbst daran was ändern, wird Deutschlands Ruf weitaus länger negativ geprägt sein als notwendig, und Fakten kann man nur selten verleugnen.

Zahlreichen Besuchern war die Lage bereits während der Veranstaltung bewusst und zeigten auch Mitleid, doch wird allerdings von keinem Widerstand gegen das rigorose Vorgehen berichtet. Klar, werden wohl nicht alle die Situation miterlebt haben, so ist es jedoch bedenklich, dass nicht schon während der Party die Polizei als Unterstützung alarmiert wurde. Selbst wenn der Einzelne zu schüchtern zur Zivilcourage ist, ist dies wohl eine Lösung, die anonym und problemlos von statten geht.

Desweiteren deutet die dortige Trennung auf die typische „Zwei- Klassen Trennung der Ausländer“ hin. In Deutschland ist Ausländer nicht gleich Ausländer, was zunächst prinzipiell richtig ist. Jedoch werden Ausländer nicht mithilfe ihrer Intelligenz, ihrer beruflichen Stellung unterteilt, sondern nach ihrer Herkunft. Araber, Südländer sowie Türken gelten als „niedere“ Personen gegenüber den lieben Franzosen, den Engländern. Sie scheinen nicht Ganz so Ausländer, zumal der optische und kulturelle Unterschied nicht so groß scheint. Dies ist zum einen auch der Zweck der EU, doch findet die Unterteilung in Deutschland oftmals ausschließlich über das Aussehen statt. So leid es mir tut, unterscheiden Manche noch heutzutage in „arisch“ und „Nicht-Arisch, so brutal es auch klingen mag.

Wann ist man eigentlich ein/e Deutsch/e? Zählt das Optische höher als ein deutscher Pass? Ich sehe Deutschland als meine Heimat an, weil auch nur dies das Land ist, in dem aufgewachsen bin. Doch finde ich es stets erschreckend wie viel man sich im normalen Alltagsleben gefallen lassen muss. Man muss von klein auf lernen mit Sprüchen wie „ dumme Türkin“(was nicht einmal stimmt, da meine Wurzeln in Ägypten liegen) es beim Shoppen es mit Verkäufer/innen zu tun hat, die den Preis ganz langsam und deutlich artikulieren oder zu hören bekommt, dass man „echt gut Deutsch sprechen würde“. Auch wenn dies freundlich gemeint ist, stellt es in gewisser Weise jedes Mal eine Erniedrigung dar.

Was ich allerdings noch wesentlich erschreckender finde, sind die Reaktionen auf den Artikel selbst. Die meisten, der bei az- online geposteten Kommentare befürworten das Handeln der Security und bedauern es an dieser Party nicht teilgenommen zu haben. Selbst wenn die Tat an sich nicht als Rassismus bezeichnet wird, kommt man an den Kommentaren nicht drumherum. Meiner Meinung nach ist das wirklich u nfassbar und nicht recht durch Worte zu beschreiben. Wie würden Sie sich denn fühlen, wenn sie im Urlaub nicht in Club gelassen werden, weil sie leider nicht Staatsbürger/in sind? Wenn Sie nun entgegnen würden , dass sie immerhin das Aussehen eines „zivilisierten Mitteleuropäers“ haben und die Sitaution eine ganze andere wäre, könnte ich nur teilweise Recht geben. Sicher fangen Sie keine Schlägereien wie betrunkene Jugendliche an, jedoch möchten Sie auch nicht draußen bleiben, nur weil man Sie mit Neonazis pauschalisieren würde. Ist es in dem Falle Rassismus, dass man Ihnen Rassismus vorwerfen würde. Das liegt an uns allen. Auch an mir; es ist wichtig, dass alle , die sich als Deutsche verstehen lernen sich gegenseitig zu akzeptieren. Dazu gehört auch Widerstand, sowohl aktiv als auch passiv, wenn man beispielsweise aus Protest die HEG Abi Feten meidet. Zudem sollten sich die Vorgänge geklärt werden und sich die Schulleitung äußern und sich zumindestens von dem Zugetragenen distanzieren. Keine Reaktion deutet nämlich auf keine Vorkommnisse hin!

Sarah Hilmer,16

Schülerin am LeG

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare