Provozierte Katastrophe

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Die Welt schaut auf Attawapiskat, einer abgelegene Region Kanadas, in der junge Menschen wegen der Not Selbstmord begehen. Kanadas Regierung zeigt sich betroffen.

Zum Bericht über Suizide von Kanadas Ureinwohnern („Wir sind Kanadas Hinterhof“, AZ vom 17. Mai) schreibt Michael Schulz aus Uelzen:

Ich habe den Artikel in der Allgemeinen Zeitung gelesen. Aber das ist ja weit weg von allem. So weit abgelegen, dass es sich nicht mal lohnt, dorthin zu fahren. So wie es immer ist. Die Reservate der Ureinwohner haben Kanada und die USA immer schön weit weg von den weißen Siedlungen eingerichtet. Aber eines ist allen gemeinsam. In Kanada und den USA wurden Kinder im Alter von fünf Jahren zwangsweise, durch die Regierung, den Familien entrissen.

Man hat sie in sogenannte Residential Schools (Internate) verbracht. Dort wurde ihnen bis weit in unsere Zeit alles, was auch nur im Entferntesten an ihre Herkunft erinnerte, herausgeprügelt. Man beraubte sie ihrer Kleidung und allem, was ihnen eine Identität gab, sie durften nicht mal mehr ihre Sprache sprechen. Nonnen und Priester erzogen die Kinder zu guten, weißen Christen. Die armen Heiden hatte ja keine Religion.

Nun, ohne Identität, keine Aussicht auf Arbeit, weil keine Angehörige der „First Nations“ oder „Native Americans“ einstellt; der Religion beraubt, keine Perspektive habend, begehen dort die Menschen Selbstmord. Sogar Kinder im Alter von schon 13 Jahren begehen teilweise in Gruppen Selbstmord. Was auf diese Weise nicht zu Tode kommt, stirbt irgendwann an Diabetes, hervorgerufen durch Junkfood-Pakete, die sie über Sozialfürsorge bekommen. Beispielsweise sind auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota bis zu 50 Prozent der Bevölkerung durch Diabetes erkrankt. Es wird in Kanada nicht anders aussehen. Durch die Reservate werden ohne Genehmigung Pipelines gebaut. Der Boden durch Fracking verseucht. Es gibt Gebiete, da ist das Trinkwasser mit Arsen und radioaktiven Isotopen verseucht. Ich bin stolz darauf, dass ich alles, was zu meiner christlichen Erziehung gehörte, abgelegt habe. Ich bin stolz, ein Heide zu sein. Als wir alle noch Heiden waren, hatten wir alle noch Respekt vor dem Anderen und der Natur.

Ich bin davon fest überzeugt, dass niemand das Recht hat, sich über einen Anderen zu erheben. Niemand hat das Recht, einem Anderen seine Religion und seine moralischen Werte aufzuzwingen. Sie werden sich wundern, warum ich jetzt den Begriff „Indianer“ benutze. Es sind keine „Indianer“, es sind Angehörige der First Nations oder Native American. Es nicht ihr Fehler, dass Kolumbus zu dumm zum Lesen und Segeln war. Falls sich jemand für die Menschen interessiert und ein klein wenig helfen möchte. Lakota Village versucht, in South Dakota zu helfen.

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