AZ-Leserbrief

Auf der Populismus-Welle

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„Friday for Future“: Lieber „Samstag für die Zukunft“, meint AZ-Leser Karl Jongeling.

Dieser Leserbrief beschäftigt sich mit der „Friday for Future“-Bewegung Uelzen und dem dazugehörigen Kommentar von AZ-Redakteur Norman Reuter (AZ 6. April):

Bravo, nun hat die AZ es doch noch geschafft, die Schüler im Kreis Uelzen zum Schulstreik am Freitag zu ermutigen. Das Positive: Nur ein kleiner Prozentsatz hat die Schule geschwänzt.

Schlimm finde ich, dass unser von mir sonst sehr geschätzte Bürgermeister sich mit den Protestlern solidarisiert hat. Das würde ich Populismus nennen. Hätte er auch den Auszubildenden bei der Stadtverwaltung erlaubt, sich dem Protest anzuschließen – während ihrer Arbeitszeit?

Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich finde es sehr gut, dass junge Menschen sich wegen der Zukunft Sorgen machen. Ich teile ihre Sorgen. Aber warum können sie nicht am Samstag protestieren? Im Gegensatz zu unserer Schulzeit haben sie doch am Samstag keinen Unterricht.

Mit den englischen Sprüchen habe ich als ehemaliger Englischlehrer auch keine Probleme. Und trotzdem: Unsere Sprache ist doch Deutsch. Warum steht auf den Plakaten nicht: „Samstag für die Zukunft“? Oder „Keine intelligente Spezies würde ihre Umwelt zerstören“? Wollen die jungen Menschen zeigen, dass sie trotz vieler ausgefallener Englischstunden doch ein wenig Englisch gelernt haben? Dass Herr Norman Reuter in seinem Kommentar Politiker kritisiert, die das Wort Schulschwänzen in den Mund nehmen, finde ich auch nicht gut. Müssen denn alle auf der Populismus-Welle mitschwimmen?

In diesem Jahr können die Schüler aber an zwei Freitagen demonstrieren, ohne sich Schulschwänzen vorwerfen lassen zu müssen: am 31. Mai, dem Freitag nach Himmelfahrt, und am 4. Oktober, dem Freitag nach dem Tag der Deutschen Einheit. Diese beiden Tage machen die Stundenplanmacher garantiert wieder zu „Brückentagen“, das heißt, der Unterricht fällt aus. Ich hoffe, unsere Jugendlichen sind bereit, an den beiden Freitagen ihre Freizeit zu opfern. Nur dann sind sie mit ihren Protesten glaubhaft.

Karl Jongeling, Uelzen

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Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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