Politische Farbenspiele – Linke werden völlig ignoriert

Welche Farben finden denn zueinander? Waldemar Herrmann aus Dreilingen ärgert es, dass bei allen Überlegungen zu einer Regierungsbildung die Linken „ignoriert werden“. Foto: dpa

Leserbrief zur Berichterstattung über Sondierungsgespräche der Parteien nach der Bundestagswahl und über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen:.

Unsere mehr oder weniger beliebten Politiker gehen gegenwärtig davon aus, dass es lediglich vier Möglichkeiten zur Regierungsbildung gibt, als da sind: schwarz-rot, schwarz- grün, schwarz-rot-grün und nur schwarz als Minderheitenregierung. Wenn ich auch ein schlechtes Gedächtnis habe und viel vergesse, so meldet sich hier ein Zweifel, denn bekanntlich gibt es noch eine Partei, die sogar mehr Stimmen als die Grünen erzielte: Die Linken mit stolzen 8,6 Prozent der Zweitstimmen gegen nur 8,4 Prozent der Grünen.

Man ignoriert sie aber, damit rund dreieinhalb Millionen Wähler, nur weil die SPD zu ihren vielen taktischen Fehlern in ihren Wahlaussagen einen weiteren hinzufügte mit dem Versprechen, nicht mit „denen“, also den Linken, zu koalieren. Gäbe es diese ungeschickte Festlegung nicht, wäre es ohne Weiteres möglich, eine fünfte Form der Koalition zu bilden, die noch dazu offenbar den Wählerauftrag zur Regierungsbildung erhalten hat: rot-rot-grün mit einer soliden Mehrheit im Bundestag.

Dass mit der Ignorierung dieser dreieinhalb Millionen Wähler auch einer unserer begabtesten Politiker, Gregor Gysi, weitgehend kaltgestellt wird, scheint nicht zu stören, dass unter den Millionen auch ungezählte Protestwähler gegen die unsäglichen Versäumnisse in der Sozialpolitik von CDU/CSU und SPD sind, dass sie wie die Mehrheit der Deutschen gegen Kriegseinsatz sind und damit den Wählerwillen ausdrücken, all dies interessiert nicht, weil die SPD zu feige ist, diesen überflüssigen Fehler zu berichtigen.

Dass eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Linken nicht möglich sei, halte ich für ein Relikt des kalten Krieges. Die Wahlaussagen der Partei Die Linke machen nicht diesen Eindruck, in Länderparlamenten arbeiten sie mit und schließlich waren die Grünen, heute eine anerkannte demokratische Partei, zeitweise mindestens ebenso „links“ dominiert wie jetzt die Linken, und erwiesen sich dann doch als regierungstauglich. Wer mich jetzt für einen Linken hält, der irrt sich sehr. Ich mag es lediglich nicht mit ansehen, wie unsere Demokratie immer weiter vom Parteienklüngel vergewaltigt wird und vor die Hunde geht.

Waldemar Herrmann,

Dreilingen

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