Plädoyer gegen die A 39

Leserbrief zum Besuch des Ministerpräsidenten David McAllister in Suderburg, „A39 ist notwendig und sinnvoll“, AZ vom 2. Dezember:

Falsch, Herr MP! Die A 39 ist weder notwendig noch sinnvoll. Schöne Versprechen verschaffen noch keine akademische Anerkennung. Der Beifall war denn auch nur höflich, nicht enthusiastisch. Aufgrund der Themenfülle der Bereiche Wirtschaft und Verkehr, die den Wahlkampf-Vortrag von David McAllister an der Ostfalia Hochschule in Suderburg bestimmten, konnte die A 39 nur flüchtig gestreift werden. Erst ganz zum Schluss seines Vortrages erwähnte McAllister sie stichwortartig. Dass sie „notwendig und sinnvoll“ sei, erklärte er, was er lediglich damit begründete, Wolfsburg sei Richtung Norden nicht gut angebunden. Warum hat man denn jetzt die A 7 sechsspurig ausgelegt? Behauptet hatte er noch, dass es nie eine Trasse geben werde, mit der alle zufrieden sein würden. Das knüpft lediglich an das St.-Florians-Prinzip an, grundsätzlich Ja zu sagen zu diesem oder jenen Bauprojekt, aber bitte nicht vor meiner Haustür.

Ebensowenig begriffen hat McAllister, dass es bei der A 39 nicht um eine Trassenführung geht. Die Trasse als solche ist völlig überflüssig. Darüber hinaus ist sie menschenfeindlich, natur- und umweltschädlich. Da McAllister unter großem Zeitdruck stand, weil er anschließend noch nach Bergen-Belsen zu der KZ-Gedenkstätte musste, konnte ihm in den Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum auch nur entgegengehalten werden, durch die A 39 entstünden irreversible Schäden durch Zerstörung landwirtschaftlicher Betriebe sowie durch Zubetonierung und Versiegelung ganzer Landstriche. Auf diesem Gebiet seien die Ostfalia-Studierenden und Dozenten besonders sensibel. Ein zielführendes Äquivalent zu einer A 39 sei, wegen des prognostizierten zunehmenden Güterverkehrs, der – zumal amtlicherseits beabsichtigte – Schienenausbau der (früheren) „Amerikalinie“, und ebenso die Ertüchtigung des Elbe-Seitenkanals (ESK) durch einen dritten Trog in Scharnebek. Daran seien, seit Neuestem, auch VW und die Salzgitter AG sehr interessiert. Deutliche diesbezügliche Signale habe es seitens dieser beiden Wirtschaftsunternehmen gegeben, so Eckhard Pols und Henning Otte von der CDU, den ESK anstatt Autobahnen und Bundesstraßen zukünftig stärker zu nutzen.

Warum verschließt sich McAllister diesen vernünftigen Firmenüberlegungen, zumal er doch im Aufsichtsrat von VW sitzt? Viel redete McAllister, außer dass er über das für die Studierenden in Suderburg nicht vorhandene gastronomische Nachtleben juxte, im Zusammenhang vom Fachkräftebedarf von der „Wertschöpfung“. Wenn Wertschöpfung nicht nur in boomenden Metropolen wie Hamburg stattfinden soll, sondern auch in mittelständischen Betrieben des Landkreises Uelzen, ist es, neben der Naturzerstörung, geradezu Schwachsinn, den A 39-Lückenschluss zwischen Lüneburg und Wolfsburg zu bauen, weil dann sehr viel mehr Berufspendler in die Metropolen entfliehen werden, allein schon des dort erheblich höheren Lohnniveaus und der besseren beruflichen Perspektiven wegen.

Borvin Wulf,

Suderburg

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