Bei Pflege wird nur auf Rendite geschaut

Leserbrief zum Artikel „Altenpflege ein Pflegefall“, AZ vom vom 22. Juni:.

Altenpflege als berufliche Arbeit gehört zu den Dienstleistungsberufen nach dem Sozialgesetzbuch XI. Nun beinhaltet der Begriff „Dienstleistung“ den Begriff „dienen“, also auf der Grundlage einer bezahlten Leistung für jemanden wirken. Eine Dienstleistung orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden, ebenso an ihren Erwartungen bezüglich der Qualität einer Dienstleistung. Dafür gibt es Qualitätsstandards in den einzelnen Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege, die auch mehr oder minder professionell umgesetzt werden. Soweit die Theorie.

Im benannten Artikel werden praktische und sicher auch reale Beispiele von Missständen dokumentiert. Die Ursache dafür sind mehrheitlich nicht die Pflegekräfte, welche krank sind, in die Teilzeit flüchten, ganz aussteigen oder von einer Depression gleich in den Burn-out fallen. Es gibt auch nicht zu wenige Pflegefachkräfte auf dem Arbeitsmarkt, sie arbeiten nur nicht in der Altenpflege.

Die Ursachen für diese Missstände sind vielmehr im Renditebestreben der betroffenen Einrichtungen der Altenpflege zu suchen, die über das normale Maß Gewinn erwirtschaften wollen. Einfach nur googeln: Altenheime, Residenzen und Pflegeeinrichtungen am Markt werden mit Renditeversprechungen, von zurzeit ca. 5,3 Prozent angeboten und somit als Renditeobjekte angesehen und gehandelt. Das ist Marktwirtschaft und so wird es immer wieder vorkommen, das Pflegekräfte unterbezahlt, unter hoher körperlicher und seelischer Belastung und doch aufopferungsvoll versuchen, ihrer Arbeit nachzugehen. Hier ist die Politik gefragt, aber das haben wir ja oft genug gelesen .

Hans-J. Lehmann

Jastorf

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