AZ-Leserbrief

Der Pflege-Fall Spahn

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Wie gerecht ist unser Kommunalwahlrecht – darüber diskutieren AZ-Leser nach der wiederholten Wahl in Bad Bevensen. 

Zu unserer Berichterstattung über die Situation in der Pflege und über Ideen des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn schreibt Wolfgang Brehm aus Jastorf:

Herr Spahn, (...) heute muss ich lesen, dass sie den Personalnotstand in der Pflege mit noch mehr ausländischen Pflegekräften entschärfen wollen. Ist Ihnen, nachdem Sie von Jana Langer einen sehr eindrucksvollen Brief erhalten haben, noch nicht in den Sinn gekommen, dass es endlich an der Zeit wäre, für gerechte und deutlich höhere Löhne in der Pflege zu sorgen?

Zwölf-Stunden-Schichten, schlechte Löhne und noch mehr Konkurrenz durch ausländische Kräfte – für Wolfgang Brehm sind die Missstände in der Pflege offensichtlich.

Genau in diesem Moment, in dem Sie meinen Brief lesen, verfassen Pflegekräfte ihr Kündigungsschreiben, weil sie es einfach nicht mehr aushalten zu einem Hungerlohn schlicht Unmenschliches zu leisten. Würde mehr Lohn gezahlt, dann wäre auch der Pflegeberuf attraktiver und sogar einige bereits ausgeschiedene Schwestern und Pfleger sähen wieder einen Sinn in ihrem Beruf. In eben diesem schweren Job geht es nicht nur darum, eine bestmögliche Versorgung für kranke Menschen zu gewährleisten, es geht auch darum, von seinem Einkommen leben zu können. (...)

Haben Sie sich jemals die Zeit genommen, mit einer Delegation von Pflegekräften zu sprechen? Kennen Sie die Sorgen und Nöte dieser Menschen, oder verlassen Sie sich lediglich auf die Aussagen irgendwelcher „Fachleute“? (...)

Seit vielen Jahren wird beflissentlich am Wohl und Willen des Volkes vorbei regiert! Während das Volk den Gürtel enger schnallen muss, sorgen unsere Politiker für üppig wachsende Diäten. (...) Haben Pflegekräfte, haben die Arbeitnehmer im Allgemeinen kein Recht auf ein würdevolles und sorgenfreies Leben?

Wissen Sie, Herr Spahn, wie es ist, tatsächlich Angst vor dem Briefkasten zu haben? Wissen Sie, wie es ist, wenn man nicht weiß, wie man den Rest des Monats zur Arbeit kommen soll, weil das Geld zum Tanken fehlt? Haben Sie auch nur eine Ahnung davon, wie man sich fühlt, wenn man nicht weiß, wie man ein Hochzeits- oder Geburtstagsgeschenk kaufen soll, wenn man sich verleugnet, weil man an eben diesen Feiern aus genanntem Grund nicht teilnehmen kann?

(...) Herr Spahn, Sie haben und werden noch weit mehr Gegenwind bekommen, wenn Sie und Ihre Kollegen in Berlin nicht langsam aufwachen und uns zuhören! Es sollte gerade auch in Ihrem Interesse sein, dass deutsche Arbeitnehmer auch konsumieren können, dass dadurch auch kleinere Geschäfte am Leben bleiben und jedermann gern zur Arbeit geht.

(...) Ich bin Ehemann einer Intensivschwester in der 1:1-Versorgung und gelernter Kfz Mechaniker. Sie fragen sich, warum gerade ich Ihnen schreibe? Was Sie Pflegenotstand nennen, reicht bis tief in Beziehungen und die Familie. Zumindest im Falle der Intensivversorgung sind in der Regel 12 Stunden Schichten angesagt, teilweise 8 oder mehr Tage hintereinander. Glauben Sie allen Ernstes, dass so etwas auf Dauer in Ordnung ist? (...)

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