Nur persönliche Interessen?

Lastwagenverkehr auf der Bundesstraße 4 in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern: In den Zimmern fielen schon die Gläser aus dem Schrank, schildert AZ-Leser Markus Eisele.
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Lastwagenverkehr auf der Bundesstraße 4 in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern: In den Zimmern fielen schon die Gläser aus dem Schrank, schildert AZ-Leser Markus Eisele.

Zu den Berichten über den Ausbau der Bundesstraße 4 kontra Autobahn 39 (AZ vom 22. , 23. und 24. Juli) bezieht Markus Eisele aus Bienenbüttel Stellung:

Seit langem verfolge ich schon die Berichterstattung über Diskussionsrunden, Leserbriefe etc. über das Pro und Kontra zum Bau der A 39 in der AZ. Bedauerlicherweise war ich auf der letzten Veranstaltung in der Markthalle in Bienenbüttel zum Thema Ausbau der B 4 aus terminlichen Gründen nicht zugegen. Vielleicht war es aber auch gut so. Allein schon vom Lesen des AZ-Berichts steigerte sich als direkter Anwohner zur B 4 (mein Haus liegt keine 50 Meter Luftlinie entfernt) mein Puls bedrohlich, insbesondere nachdem ich die folgende Stellungnahme von Herrn Scholing und den Leserbrief von Herrn Schneider gelesen habe.

Meine Herren, seien Sie doch mal ehrlich. Geht es Ihnen und Ihren Mitstreitern wirklich nur darum, dass ein Bau der A 39 umwelttechnisch keinen Sinn macht und unwirtschaftlich ist, oder geht es hier nicht in erster Linie um Ihre persönlichen Interessen und Sie schieben diese Argumente vor?

Beide sind Sie Einwohner von Hohnstorf. Wenn ich in Hohnstorf leben würde, würde sich meine Begeisterung für einen Bau sicherlich auch in Grenzen halten. Aber selbst wenn die Autobahn gebaut werden sollte, dann sind Sie bei weitem nicht so den Belastungen ausgesetzt wie die Anrainer der B 4. Immerhin reden wir hier von mindestens 20 bis 30 Familien, deren Häuser lediglich durch einen Lärmschutzwall getrennt sind. In Ihrem Fall würde eine Autobahn mehrere 100 Meter von Ihren Häusern entfernt gebaut werden, was einiges mehr an Ruhe bedeuten würde. Zusätzlich würde es wahrscheinlich noch Lärmschutzwände etc. geben.

Jetzt könnten Sie argumentieren, dass ich bzw. meine Eltern sich ja das ausgesucht haben, direkt neben der B 4 zu bauen. Ja, das war aber in den 60er Jahren, als nur ein Bruchteil an Verkehr über diese Straße lief und keiner geahnt hat, wie sich das entwickelt. Da konnte man auch noch mit offenem Fenster schlafen und sich auf der Terrasse unterhalten. Das ist heute alles nicht mehr möglich. Ich weiß, wie sich die Einwohner von Kirchweyhe gefühlt haben müssen. Uns sind in den 80er Jahren die Gläser aus dem Schrank gefallen, wenn die Bundeswehr mit ihren Panzern durchdonnerte. Heute sind es die Lkws.

Herr Scholing, von Ihnen als Abgeordneter hätte ich etwas mehr Objektivität erwartet als nur die Engstirnigkeit Ihrer eigenen Interessen. Jedem hier ist klar, dass ein Bau der A 39 unsere Gemeinde entwicklungs- und mobiltechnisch nur weiterbringen kann – ein Ausbau der B 4 hingegen nicht. Bei mir jedenfalls hinterlässt es den bitteren Beigeschmack, dass ich den Eindruck habe, dass es allen A 39-Gegnern nur um ihre eigenen Interessen geht und ihnen der Rest (die Anwohner der B 4) egal sind.

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