Pädagogisches Konzept der Oberschulen

Nele Anders und Rolf Seidler kritisieren den Kommentar von Andreas Becker zur Themen-Seite Oberschule in der AZ:

Die „Contra“ Meinung von Herrn Becker zur Oberschule lässt ein gewisses Niveu vermissen, das beim verfassen des Kommentars nötig gewesen wäre. Um bei Ihren zugespitzten Beispielen zu bleiben: Beide Schüler im 100-Meter-Lauf arbeiten am selben Thema: Sprint. Das Ergebnis dieser Arbeit sind unterschiedliche Leistungsniveaus. Haben beide Schüler sich entsprechend ihres Leistungsvermögens eingebracht, ist dies auch richtig so. Wenn die Lehrkraft die eigentliche Arbeit nur auf den Lauf reduziert, profitieren die Schüler nicht voneinander. Wenn der Unterricht aber so aufgebaut ist, dass in Gruppen gearbeitet wird, also z.B. Techniken des Starts von dem schnelleren Schüler dem langsameren erklärt werden, profitieren beide. Übertragen auf kognitive Fächer bedeutet dies eine allen bekannte Weisheit: Ich habe einen Stoff verstanden und steigere mein Niveau dadurch, in dem ich den Stoff anderen erklären kann; denn dann muss ich diesen Stoff für für mich, und nicht mehr vom Lehrer vorgetragen, durchdenken und formulieren. Beispiel 2: Natürlich arbeiten beide Schüler an dem selben Thema, beide Schüler müssen wissen, dass 5 x 5 = 25 ist, aber der Weg dorthin kann unterschiedlich sein. Der eine Schüler nimmt einfach eine 1 x 5 Tabelle, lernt diese auswendig und hat den Stoff verstanden, der andere Schüler lernt dies durch andere methodische Hilfen langsamer. Wiederum könnte der „schlauere“ Schüler dem anderen helfen und würde davon ebenfalls profitieren, auch im sozialen Bereich. Oder der „schlauere“ Schüler bekommt von der Lehrkraft zusätzlichen Stoff, der ihn in dem Thema auf ein höheres Leistungsniveau bringt. Dies hat nichts mit Gleichmacherei zu tun, das Leistungsprinzip geht nicht verloren. Die Lehrkraft reagiert nur auf die verschiedenen, individuellen Voraussetzungen der Schüler. Alle vier Kreisschulen haben sich dazu entschlossen, jahrgangsbezogen zu arbeiten. Diese Entscheidung wurde von Fachleuten getroffen. Pädagogen, die eine gute Ausbildung und oft jahrelange Erfahrungen aufweisen. Die Eltern können also sicher sein, dass wir in der Schule wissen, was wir tun. Hinter dieser Entscheidung steckt oft auch ein anderes Menschenbild. Nämlich das der Inklusion. Menschen sollen nicht ausgegrenzt werden, egal welche Behinderung sie haben oder welche Intelligenz. Bisher war das Schulsystem so aufgebaut, dass Schüler durch einen Lerntrichter (gleicher Lernstoff, gleicher Lerntyp, gleiche Zeit) gepresst wurden. Wer da nicht durch passte, war gescheitert. Diese neue Zusammensetzung der Schülerschaft erfordert natürlich eine Umstellung bei den Lehrkräften. Aber allen Berufsgruppen wird abverlangt, dass sie sich neuen Erfordernissen anpassen, dies können auch Lehrer. Die Entscheidungen der vier Standorte sprechen für sich. Normalerweise muss auf so einen Artikel wie der von Herrn Becker nicht reagiert werden. Aber Eltern können dadurch verunsichert werden. In der AZ wird oft von Nörglern geschrieben, die Uelzen schlecht machen. Wir sollten stolz darauf sein, dass das Prinzip der gemeinsamen Beschulung im Landkreis Uelzen in den Grundschulen längst der Fall ist (die Grundschulleher unterrichten alle Schüler, vom Schüler mit Förderbedarf bis zum Gymnasiasten und niemand stellt das in Frage). Nun machen sich die bisherigen Haupt- und Realschulen auf den Weg. Unterstützen wir sie dabei, anstatt mit anspruchslosen Artikeln Stimmung zu machen.

Nele Anders, Rektorin der Förderschule Suhlendorf und Rolf Seidler, Rektor der Oberschule Rosche

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