AZ-Leserbrief

„Dringendes Erfordernis“

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Jan Kaluza aus Uelzen leidet an Duchenne Muskeldystrophie. Sein Klassenlehrer Frank Nierath schildert, warum Jan nicht mit nach Berlin fahren konnte.

Zum Artikel „Wenn jede Bewegung schwerfällt“, AZ vom 2. November, schreibt dieser Leser:

Ich bin Jans Klassenlehrer und kann bestätigen, was sich bezüglich unserer Klassenfahrt nach Berlin ereignet hat. Sowohl Jans Mutter als auch ich hatten den Mobilitätsservice der Bahn kontaktiert. Auf meine E-Mail erhielt ich zunächst keine Antwort, erst, als ich misstrauisch wurde, erreichte ich am nächsten Tag nach 34 Minuten Wartezeit in der Hotline eine freundliche Mitarbeiterin, die unser Anliegen nochmals aufnahm.

Stunden später erfolgte in einer E-Mail die Absage: Der IRE nach Berlin verkehrt nicht rollstuhlgerecht und Stendal hatte den Antrag einer anderen Bahnverbindung wegen dortiger Bauarbeiten am Bahnsteig abgelehnt. Mir blieb nur noch die traurige und unangenehme Aufgabe, dieses Jan, der sich so auf Berlin gefreut hatte, mitzuteilen.

Dabei kommt man sich als Lehrer wegen dieser Ungleichbehandlung eines Schülers sehr, sehr mies vor. Ich muss zugeben, dass ich mich bisher um den Mobilitätsservice der Bahn nie so gekümmert und nie so darauf geachtet hatte; dass es aber derartige Probleme in einem so reichen Land wie Deutschland geben könnte, hätte ich nie gedacht.

Zu loben ist daher die Initiative des SoVD, für barrierefreie Mobilität in allen Bereichen zu kämpfen, ein dringendes Erfordernis, woran man im hektischen Alltagsgeschehen gar nicht immer denkt.

Frank Nierath, Ostedt

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