Olympia und der Rechtsstaat

Leserbrief zu Olympia und der "Akte Nadja Drygalla":

Nach meinem Verständnis wird man Olympia-Teilnehmer, wenn man sportlich herausragende Leistungen in einer der olympischen Disziplinen vorweisen kann und das Heer der „Offiziellen“ auf den verschiedenen Entscheidungs-Ebenen zu dem Schluß kommt, dass diese Leistung in die Mannschaftsaufstellung passt. Getrennt nach Weiblein und Männlein, versteht sich.

Andere Ausschlussgründe sind nicht vorgesehen, weder Rasse oder Religion, politische Überzeugung oder Hautfarbe oder Haarfarbe, persönliche Vorlieben oder gar das Liebesleben.

Entsetzt reagierte ich deshalb auf die Meldung, dass eine talentierte deutsche Ruderin angegriffen und zur Abreise aus dem olympischen Dorf veranlasst wurde, weil sie mit einem Mann befreundet sei, der der rechten politischen Szene zugerechnet wird. Zuvor hatte sie bereits aus scheinbar ähnlichen Gründen den Polizeidienst quittiert, den sie als Beruf gewählt hatte.

Entsetzt deshalb, weil mich der Vorgang an die Begriffe „Sippenhaft“ und „Gesinnungsschnüffelei“ erinnert, bekannt aus unseligen Zeiten der Judenverfolgung und offenbar beliebt in Diktaturen aller Coleur. Ehemalige DDR -Schnüffler dürften die Methoden auch bekannt sein. Dass in diesem Fall keine Ehe, sondern nur eine Freundschaft /Beziehung gegeben war und die Partei, in der der Freund aktiv war, eine zugelassene Partei in der BRD ist, machte die Sache nur schlimmer, erschüttert meinen Glauben an einen Rechtsstaat , der ohnehin beschädigt ist, noch weiter.

Waldemar Herrmann,

Dreilingen

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