AZ-Leserbrief

Ohne Vergangenheit keine Zukunft

+
In zentrale Lage in der Fußgängerzone, in die ehemalige Sparkassenfiliale, könnte bald das Heimatmuseum ziehen. Dieser Vorschlag wird allerdings kontrovers diskutiert. 

Zur Idee, das Heimatmuseum in der alten Sparkassenfiliale an der Bahnhofsstraße unterzubringen (AZ vom 30. Juni), und zum Leserbrief von Kurt Wiedenhoff (AZ vom 3. Juli) zu diesem Thema schreibt Hannegret Lukat aus Uelzen:

Es tritt ein, was ich persönlich befürchtet hatte, nämlich dass das Projekt des Ilmenausees und die Idee einer Verlagerung des Museums aus dem Schloss Holdenstedt in die Uelzener Innenstadt – zumindest im besagten Leserbrief – gegeneinander ausgespielt werden.

Was spricht eigentlich dagegen, dass ein modernes Heimatmuseum einen Beitrag darstellt zu einer positiven Stadtentwicklung? Es muss in jedem Fall ein Puzzle-Teil eines – meines Wissens – noch zu entwickelnden gesamtheitlichen Konzeptes zur Stadtentwicklung sein!

Warum ein Museum zur Geschichte der Heimatstadt in zentraler Innenstadt-Lage? Weil sich schon an gewissen Argumentationen zeigt, dass eine geschichtslose Generation droht heranzuwachsen oder vielleicht schon herangewachsen ist, für die der Konsum in Filialen großer Ladenketten oberste Priorität hat.

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“. Wer sagte das noch? Ach ja: einer unserer ehemaligen Bundeskanzler, nämlich Helmut Kohl! Ein Museum, das weit außerhalb der Innenstadt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchaus schlecht erreichbar und darüber hinaus nicht barrierefrei ist, bietet sich allerdings eher wenig für das Lernen aus und an der Vergangenheit an. Aus meinen langjährigen Erfahrungen als Lehrerin weiß ich, dass sich schon Grundschulkinder gerne mit dem „Leben früher“ und der Historie ihrer Heimatstadt beschäftigen, erst recht, wenn das Lernen zu diesen – übrigens in den Lehrplänen verankerten Themen – museumspädagogisch begleitet wird.

Für Schulen, die zugegebenermaßen aktuell viele gesellschaftliche Probleme meistern müssen, ist ein innerstädtisches Angebot als „außerschulischer Lernort“ in deutlicher Nähe der Schulen optimal. Auch mancher Uelzener und Uelzer Bürger wird in einem modernen Museum erfahren, dass Heimatmuseen, besonders wenn man ihnen eine Chance zur Entwicklung gibt, alles andere als „verstaubt“ sind.

Unbestritten wäre für den Tourismus auch ein innerstädtisches Museum auf der Achse „Hundertwasser-Bahnhof – Innenstadt“ wichtig. Ja, Museen sind kulturelle Stätten, die staatlich gefördert werden. Zum Glück! Wo wäre unsere Gesellschaft, wenn diese aufgegeben würden und nur noch konsumorientiertes Verhalten unser Denken und Leben bestimmen würde? Wie heißt es doch? „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ (Wilhelm Humboldt 1767-1835).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare