Nutze den eigenen Verstand

Zum Beitrag „Kosten für Inklusion sind explodiert“ (AZ v. 28. Dezember) schreibt Karl Jongeling aus Uelzen:

Vom großen Königsberger Philosophen Immanuel Kant stammt die Aufforderung „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Bis zu unseren „Inklusionsfanatikern“, wie Frau Piel von den Grünen, scheint diese Aufforderung auch nach über 200 Jahren nicht durchgedrungen zu sein. Sonst hätten sie die Inklusion nicht ohne alle Vernunft durchgedrückt und die Förderschulen aufgelöst, die so gute Arbeit leisteten. In NRW haben die Grünen bei der Landtagswahl dafür die Quittung bekommen. In Niedersachsen war Inklusion ja leider kein Wahlkampfthema.

Nach Ansicht unserer „Inklusionsfanatiker“ muss der potenzielle Professor neben dem langsamen Schüler oder dem notorischen Störer sitzen, weil davon angeblich alle profitieren. Leider ist dem nicht so: Das schnell lernende Kind verliert die Lernfreude, und das langsame Kind ist ständig überfordert. Das geht ja noch, aber wenn der notorische Störer die anderen Mitschüler auch noch permanent am Lernen hindert, ist das schlimm. In Bremen schaffte ein Englischlehrer in der 5. Klasse nur das halbe Pensum, weil ein Kind dauernd schrie.

Aber, so würde Prau Piel sagen, die UNO-Menschenrechtsdeklaration verlangt doch die Inklusion, und andere Länder halten sich doch auch daran.

Ich habe in den USA vor Ort studiert, wie man dort das Problem löst. Es gibt ein reines Kurssystem. Die potenziellen Harvard-Studenten besuchen Kurse mit hohem Anforderungsniveau, z. B. Fremdsprachen und Philosophie. Die Langsamen machen car repair (Autoreparatur), home economics (Hauswirtschaftslehre) und belegen leichtere Kurse in Englisch, Mathematik, und amerikanischer Verfassung. Ein Beratungslehrer (guidance councellor) entscheidet über die Kurszugehörigkeit. Alle werden allerdings unter einem Dach unterrichtet. Die Amerikaner kennen Kants Aufforderung wahrscheinlich nicht, aber sie benutzen ihren gesunden Menschenverstand.

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