AZ-Leserbrief

„Nur Worthülsen“

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„Nun wundert man sich, dass die Basis rebelliert“, versteht Lutz Meyer nicht, dass der Bürger die Konsequenzen der Düngeverordnung in den „roten Gebieten“ offenbar nicht verstanden hat.

Zu den Leserbriefen zum Thema Bauernproteste schreibt dieser AZ-Leser:

Wer als Landwirt die Leserbriefe in der AZ verfolgt, fragt sich, wie es sein kann, dass der Bürger die Konsequenzen der Düngeverordnung in den „roten Gebieten“ für die Landwirtschaft in unseren Landkreisen offenbar nicht verstanden hat.

Im Landkreis Uelzen wird das komplette Gebiet westlich der Ilmenau aufgrund überhöhter Messwerte zweier Brunnen pauschal mit strengsten Düngeauflagen überzogen: Düngung nur noch drei Monate im Jahr und 20 Prozent unter Pflanzenbedarf.

Bei den betroffenen Brunnen selbst ist umstritten, ob die Nitratwerte überhaupt landwirtschaftlichen Ursprung haben. Nach Lage der Dinge können ca. 90 Prozent der betroffenen Landwirte im Westkreis selbst bei einem Totalverzicht auf Düngung die Werte dieser zwei Brunnen nicht verbessern.

Der Bauernverband Nord-Ost-Niedersachsen hat frühzeitig in mehreren Einzelgesprächen mit unseren Bundes- und Landespolitikern auf diese Ungerechtigkeiten hingewiesen. Doch die Willensbekundungen unserer „Volksvertreter“ entpuppten sich als Worthülsen.

Nun wundert man sich, dass die Basis unabhängig vom Bauernverband rebelliert. Herr Hempel aus Lüneburg ärgert sich außerdem über den „überflüssigen“ Kraftstoffverbrauch durch die Traktordemo. Hier würden „Steuergelder aufgrund der Kraftstoffverbilligung verschleudert“. Nun ja, erstens zahlen die Bauern für jeden Liter trotz Verbilligung immer noch Steuern. Zweitens ist es schon merkwürdig, dass Teile der Bevölkerung eine Steuervergünstigung schon als Subvention betrachten. Das nenne ich produktive Herrschaft, denn nach dieser Logik ist alles, was bisher nicht besteuert wurde, subventioniert.

Ob da im Zuge der hysterischen CO2-Diskussion auch eine allgemeine Besteuerung der Atemluft Akzeptanz findet, um sich des sündigen Umweltgewissens zu entledigen, ist nicht mehr ausgeschlossen.

Lutz Meyer, Suhlendorf

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