AZ-Leserbrief

„Nun ist das Desaster da“

Die Ebstorfer Oberschule mit integrativem Ansatz „läuft sehr zufriedenstellend, weshalb sie als möglicher Standort für all diejenigen Eltern infrage käme, die ihr Kind besser an einer IGS aufgehoben sehen würden“, konstatiert Fritz Kaune.
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Die Ebstorfer Oberschule mit integrativem Ansatz „läuft sehr zufriedenstellend, weshalb sie als möglicher Standort für all diejenigen Eltern infrage käme, die ihr Kind besser an einer IGS aufgehoben sehen würden“, konstatiert Fritz Kaune.

Zum Artikel „Elternräte gegen IGS im Landkreis“, AZ vom 21. Oktober, schreibt dieser Leser:

Die politische Richtung im Kreistag, die mit Vehemenz die Oberschule im Landkreis Uelzen durchgedrückt und dabei eine angesehene und gut etablierte Schulform, nämlich die Realschule, in den Mülleimer der Schulgeschichte geworfen hat, ist offensichtlich aus ideologischen Gründen nunmehr im Verbund mit anderen im Kreistag bereit, die Schullandschaft zu zementieren.

War damit die Befragung reine Verschwendung von Steuergeld und kommunaler Arbeitskraft? Sollte der Kreistag nun gar keine Schlussfolgerungen daraus ziehen, müssen sich doch die befragten Eltern und die Öffentlichkeit veralbert vorkommen. Zum Glück sind 2021 Wahlen, und wer seine politische Glaubwürdigkeit verspielt, sollte sich über die Abstimmung durch die Wahlurne nicht wundern.

IGS und Realschule sind durch die Elternbefragung mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen als Schulformen gewünscht, wobei die Präferenz eindeutig bei der Wiederbelebung der Realschule liegt. Der Teufel fürchtet bekanntlich das Weihwasser, die Kreistagsmehrheit mit knappem Übergewicht der CDU die IGS, was zu einem scheinbar unlösbaren Knoten geführt hat. Dabei hat die CDU wohl übersehen, dass sie sowohl eine Schönfärberei bei der Namensgebung beging als auch bei der inneren Schulstruktur bereits das Wesen einer IGS in der Oberschule nachgezeichnet, aber aus Ehrfurcht vor dem Gymnasium zumindest in Uelzen diesen Zweig nicht gewollt hat.

Nun ist das Desaster da: Elternräte der Gymnasien begehren auf, weil die Schulen weder Schüler noch Lehrer verlieren möchten. Die Personaldecke ist danach sowieso schon auf Kante genäht. Auch die Oberschulen sind von Abgängen bedroht, eine Einzügigkeit zum Beispiel kann kein differenziertes Bildungsangebot vorhalten. Allein die Gymnasien und die Kooperativen Gesamtschulen sind die Gewinner der Abstimmung mit den Füßen, denn die KGS mit ihrer nach Schulzweigen differenzierten Unterrichtsform ist wohl das, was Eltern für ihre Kinder wünschen ...

Kernpunkt unserer Demokratie ist der Wille einer demokratisch abstimmenden Mehrheit, die aber den Schutz der Minderheit garantiert. Also warum verfährt man in Uelzen nicht nach diesem Prinzip? Den Verlautbarungen nach läuft die Ebstorfer Oberschule mit ihrem integrativen Ansatz einer IGS sehr zufriedenstellend, weshalb sie als möglicher Standort für all diejenigen Eltern infrage käme, die ihr Kind besser an einer IGS aufgehoben sehen würden. Damit die wegen ihrer Schulform differenzierten Unterrichtsweise aus den Nähten platzenden KGS nicht weiter mit all den daraus resultierenden Problemen anwachsen, bietet sich für die Eltern, die in der Schulbefragung für die Wiedereinführung der Realschule votiert haben, eben die Gründung dieser Schulform an. Wer allerdings eine Realschule will, muss auch gleichzeitig einen Hauptschulzweig mitdenken. In einem Zentrum unter derselben Namensgebung vereint, entfiele auch die sogenannte Stigmatisierung der Hauptschule, die letztendlich auch zu ihrem Ende geführt hat. Die einfachste Lösung, nämlich die Gründung einer weiteren KGS im Landkreis, ist leider ebenfalls ideologisch verbaut, weil diese Schule im existierenden Schulgesetz nicht mehr vorhanden und ein Bestandsschutz nur für die bestehenden Schulen gegeben ist.

Fritz Kaune, Gerdau

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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