AZ-Leserbrief

Nicht auf Rücken der Bürger!

+
In der ehemaligen Sandkuhle sollen Bäume gefällt und das Gewässer freigestellt werden – der Landkreis will damit den Lebensraum für Amphibien verbessern. Die Ortspolitik sprach sich dagegen aus. 

Die Lüderaner Politik sprach sich jetzt gegen die Biotop-Entwicklung in einer früheren Sandkuhle bei Langenbrügge aus („Rat will Kröte nicht schlucken“, AZ vom 29. November).

Michael Nagel aus Himbergen schreibt dazu:

Der Landkreis ist verwundert, sitzt er doch am längeren Hebel: Die Maßnahmen des Landkreises in Bezug auf die Sandkuhle in Langenbrügge zielen darauf ab, den Lebensraum der Kreuzkröte zu erhalten. Ähnliches war zu hören, als es um den alten Bahndamm ging, der in Oetzen, Weste oder anderswo entlang der alten Bahnstrecke zu einem Biotop geworden ist und nun nicht zurückgebaut werden darf (zuletzt am 17.10.2017 in der AZ: „ Wegen Eidechsen: Nur die Gleise dürfen raus“).

Mich erstaunt die Reaktion vieler Bürger und auch der Gemeinderäte nicht. Der Mensch baut technische Anlagen wie Sandgruben oder Bahngleise, nutzt sie dann nicht mehr, seltene Tiere siedeln sich dort an, die genauso gut auch andere Bereiche in unserem idyllischen Landkreis bevölkern könnten, wo sie nicht eine weitere wirtschaftliche oder gesellschaftliche Entwicklung stören.

Warum führt man Gemeinderäte hinters Licht, indem man sie zunächst die alten Bahnflächen zur Gewerbeansiedlung kaufen lässt, um danach dann festzustellen, dass es nun mit Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätzen dort nichts wird. Nicht dass wir uns missverstehen: Viele Menschen sprechen sich für den besseren Schutz unserer Umwelt aus, ich auch. Aber es muss doch wohl zulässig sein, dass von Menschenhand gebaute Anlagen anderen Zwecken zugeführt werden dürfen, ohne dass „Hausbesetzer“ wie Kröten oder Echsen uns einen Strich durch die Rechnung machen.

Offensichtlich reichen feuchte Sandkuhlen oder Gesteinshaufen aus, um seltene Tiere anzulocken – aber bitte da, wo wir das als Menschen wollen – Platz dafür gibt es im Landkreis genug. Insofern verstehe ich den Langenbrügger Ratsbeschluss als Weckruf: Umweltverwaltung halte Augenmaß, lege die Umweltschutzgesetzgebung großzügig aus!

Ich wünsche mir in gleicher Weise auch Initiativen auf Landes- und Bundesebene, die das Zusammenleben von Mensch, Flora und Fauna so sicherzustellen, sodass niemand zu kurz kommt. Warum gibt es keine Förderprämien für Gemeinden für den Erhalt der seltenen Tiere und Pflanzen? Der Gesetzgeber zahlt für alte Dieselfahrzeuge oder für in die Umrüstung der öffentlichen Fahrzeuge Beträge in Milliardenhöhe aus. Dies kommt letztlich der wirtschaftlichen Entwicklung von Städten zu Gute, um dort Fahrverbote zu vermeiden. Der Schutz unserer Umwelt setzt Akzeptanz bei der betroffenen Bevölkerung voraus. Diese darf auch Geld kosten, sonst werden die gut gemeinten Maßnahmen in Europa nur kurzfristige Erfolge erzielen, sei es bei Lurchen, Vögeln, Pflanzen oder Wolf – also bitte nicht auf dem Rücken der Landbevölkerung!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare