Nicht örtliche Zukunftsfähigkeit opfern

Zur Zukunft der Auetalschule Lüder:

Sehr geehrter Herr Nickel, Sie haben ja recht eindeutig Ihre Meinung zu den Ausführungen von Herrn Jürgen Schulze zum Erhalt der Auetalschule in Lüder geäußert.

Das bleibt Ihnen unbenommen, haben Sie nur leider in keiner Weise die Meinung der Eltern von SchülerInnen berücksichtigt. Auch verknüpfen Sie einige Tatsachen, die nicht zusammengehören. Ihre angeführten Sachargumente bereichern dieses Thema nicht, sondern vernebeln den Blick auf das Tatsächliche.

Der Förderverein der Auetalschule Lüder hat sich 1999 gegründet, um eine hervorragende Bildungseinrichtung über die Möglichkeiten des Schulträgers hinaus in allen Belangen zu unterstützen. Die permanente Mitwirkung der Bevölkerung gibt dem Förderverein hierbei den nötigen Rückhalt.

Sie wissen nur zu gut, wie „neutrale“ Gutachten entstehen, wenn die Finanzierung vom Auftraggeber kommt. Sie führen an, das 43,5% der Grundschulabgänger im Kreisdurchschnitt auf das Gymnasium wechseln. Statistisch eindeutig belegbar, nur mit welcher Qualifikation diese Grundschüler „geschickt“ werden, steht dort nicht. Um die tatsächliche Qualität der Grundschule zu belegen, sollte man lieber fragen, wie viele dieser „Geschickten“ später auch ein Abitur in der Tasche haben. Wir kennen diese Zahlen nicht, sind uns aber sicher, dass sich dann das Verhältnis eindeutig zu Gunsten der Gymnasiasten aus der Auetalschule Lüder ändern wird.

Die von Ihnen vernachlässigte Hauptursache zu dieser Thematik ist für die Eltern und Schüler schlichtweg der lange Schulweg Richtung Uelzen. Ist man bei der Schülerbeförderung auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, beginnt in einigen Dörfern der Samtgemeinde Bodenteich die Anfahrt zur Schule kurz nach 6 Uhr, um eines der Gymnasien in Uelzen zu erreichen.

Übrigens ist der gesamte Südkreis Uelzen unter dem Kreisdurchschnitt von 43,5% und somit ist es nicht nur ein Phänomen einer einzigen Grundschule.

Ja, in kleinen Klassen ist die Betreuung der SchülerInnen intensiver. Man kann sich dort nicht verstecken. Und das ist auch gut so, denn nur so erfahren die SchülerInnen rechtzeitig, dass sie für ihr Verhalten letztendlich selbst die Verantwortung tragen und dann positiv einen Leistungswillen entwickeln können.

Zum Thema der Klassengrößen gibt es ja auch genügend fachliche Aussagen die feststellen, dass kleine Klassen bessere Klassen sind. Die Kopfzahl von 24 für Grundschulklassen wurde sicher nicht von Pädagogen, sondern vielmehr von Betriebswirtschaftlern definiert, oder wieso versuchen Pädagogen die Kopfzahl in den Gruppen/Klassen möglichst gering gehalten, während man gleichzeitig versucht auch noch mehrere Lehrkräfte, sofern verfügbar, in einer Gruppe/Klasse einzusetzen. Small is beautiful!

Sie erwähnen die Schulinspektionsergebnisse der 3 Grundschulen der Samtgemeinde Bodenteich. Wenn die alle so ähnlich gut sind, wieso wurden die Ergebnisse dann nicht veröffentlicht. Ist das nicht eine Möglichkeit, die Samtgemeinde Bodenteich für den Zuzug von jungen Familien attraktiv zu machen? Oder sind die Ergebnisse der Schulinspektionen der Grundschulen sich doch nicht so ähnlich?

Sie führen an das Frau Lembeck, die Leiterin der Grundschule Lüder, für eine neue Aufgabe die Schule verlassen wird. Da stellt man sich selbstverständlich die Frage warum? Weil die Qualität der Unterrichtsversorgung, das Kollegium, oder die Unterstützung aus der Bevölkerung fehlt? Sicherlich nicht, aber das erwähnte auch schon Herr Jürgen Schulze. Ist es vielleicht der Schulträger, der Frau Lembeck den damaligen Start als Leiterin der Schule sicher nicht vereinfacht hat? Dazu können Sie sich ja als Ratsmitglied in den verantwortlichen Gremien erkundigen. Oder ist es einfach nur die Möglichkeit, ihre eigene Karriere durch einen Schulwechsel positiv voranzubringen. Letzteres ist der Fall, absolut nachvollziehbar, und wir wünschen Frau Lembeck für den weiteren Berufsweg alles Gute und bedanken uns für ihr hochqualifiziertes Engagement in der Auetalschule Lüder.

Zum Thema Bewerbungen von Lehrkräften für die Auetalschule Lüder:

Auf die letzte vakante Stelle hatten sich mehr als ein Dutzend BewerberInnen gemeldet.

Noch Fragen?

Was uns bei diesen Diskussionen aber am meisten stört, ist die ständige Darstellung von Bildung als reinen betriebswirtschaftlichen Faktor, der nur kostet und nichts bringt. Bildung ist doch die einzige Ressource, die einem Land unbegrenzt zur Verfügung steht. Um das nutzbar zu machen, muss nun mal Geld in die Hand genommen werden. Bildung ist eine Investition in Zukunft aller Gesellschaftsschichten und des Zusammenlebens vor Ort.

Das haben viele europäische Länder längst begriffen. Bei uns wird dieser Standortvorteil den parteipolitischen Machtkämpfen geopfert, oder von den Entscheidungsträgern schlichtweg ignoriert. Ein Halten oder Steigern des Lebensstandard vor Ort, unabhängig der kommunalen Verwaltungsstrukturen, kann uns nur mit gut ausgebildetem Nachwuchs gelingen, die örtliche Strukturen als etwas Positives erfahren haben.

Abschließend möchten wir Ihnen als Ratsmitglied (WGB Bodenteich) noch eins mit auf den Weg geben: Die WählerInnen haben Ihnen die Verantwortung übertragen, den Willen der Bevölkerung politisch umzusetzen. Sie sind nicht ihrem politischen Lager oder persönlichen Befindlichkeiten verpflichtet, sondern ausschließlich dem Willen der Wähler. Sie als Ratsmitglied haben eine Bringschuld. Nur das spiegelt sich viel zu selten in Ihren Entscheidungen wieder und macht Ihr Vorgehen politisch unglaubwürdig.

Wir erwarten, dass ein anscheinend begonnener Kommunalwahlkampf nicht auf dem Rücken der SchülerInnen der Samtgemeinde Bodenteich geführt wird und dabei die örtliche Zukunftsfähigkeit geopfert wird.

Für den Vorstand des Fördervereins der Auetalschule Lüder

Werner Williges

Heinrich Gade

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