Leserbrief

Nicht nur Lärm, auch Erschütterungen

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Durchfahrt eines ICEs durch den Bahnhof Bienenbüttel: Künftig könnten mit einem Ausbau des Gleisnetzes, mehr Züge durchrollen. Das führe zu mehr Erschütterungen, sagt Ulf Herzbruch.

Der Gemeinderat von Bienenbüttel befasste sich jüngst mit dem geplanten Bau des dritten Gleises an der Bestandsstrecke Hannover-Hamburg. Bürgermeister Dr. Merlin Franke verwies auf einen Ratsbeschluss, mit dem sich die Gemeinde gegen eine Neubautrasse aussprach.

Ulf Herzbruch aus Bienenbüttel, der sich zum Thema in der Einwohnerfragestunde des Gemeinderates, zum Thema gemeldet hatte, schreibt nun:

Die Stellungnahme des Bürgermeisters Dr. Franke zu meiner Einwohnerfrage, das dritte Gleis betreffend, bedarf ergänzender Bemerkungen: Das Dialogforum Nord hat sich, und das wird durch Wirtschaftsminister Lies unterstützt, gegen eine Neubaustrecke ausgesprochen. Das ist aber nicht rechtsverbindlich, die Stadt und der Landkreis Lüneburg erstreben ein Raumordnungsverfahren, in dem die Frage Ausbau- oder Neubaustrecke verbindlich festgelegt werden soll.

Für einen eventuellen Ausbau der Bestandsstrecke gibt es unverbindliche Vorüberlegungen über einen Planungskorridor (genannt „Wurst“) entlang der Bestandsstrecke innerhalb dessen – auch als Umfahrung –das dritte Gleis gebaut werden könnte. Wird die Bestandsstrecke ausgebaut, ist jedenfalls das Gebiet der Gemeinde Bienenbüttel betroffen. Fraglich ist nur, ob die mehrheitlich direkten Einwohner der Gemeinde oder Bewohner in der Randlage die Betroffenen sind.

Das von Dr. Franke vorgebrachte Argument, dass mit dem dritten Gleis ein verbesserter Lärmschutz für die Anwohner der Bestandsstrecke zu erhalten sei, dürfte für die Frage der Durch- oder Umfahrung der Gemeinde nicht entscheidungserheblich sein. Die EU-Umgebungslärmrichtlinie mit dem erklärten Ziel, Umgebungslärm vorzubeugen und zu mindern, ist inzwischen in das deutsche Recht überführt worden.

Danach mussten bis zum 30. Juni 2012 Lärmkarten angefertigt und auf deren Grundlage bis zum 18. Juli 2013 für sämtliche Haupteisenbahnstrecken Lärmaktionspläne aufgestellt werden. Der Lärmschutz muss also unabhängig von einer etwaigen Änderung der Gleise geprüft werden.

Im Übrigen erscheint es widersinnig zu sein, sich erst für ein erhebliches Mehr an Lärm einzusetzen, um dann zu versuchen, diesen mit Maßnahmen zu mindern. Darüber hinaus wird übersehen, dass nicht allein der Lärm, sondern insbesondere auch die mit dem Bahnverkehr verbundenen Erschütterungen die Belastungen ausmachen, die mit einer Umfahrung vermieden werden könnten.

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