Netz-Privatisierung birgt Gefahren

Leserbrief zur AZ-Berichterstattung über die in Deutschland angestrebte Energiewende:.

Schon vor einigen Wochen habe ich darauf hingewiesen, dass der Leitungsbau für die Verwirklichung der Energiewende zugunsten der erneuerbaren Energien im Argen liegt. Zuständig ist eine niederländische Firma Tennet und eine belgische Firma Elia sowie evtl. weitere, da das deutsche Höchstspannungsnetz derzeit ein Flickenteppich ist. Zuvor waren die Teilnetze im Besitz der Groß-Energieerzeuger. Verkauft wurden die Teilnetze in den vergangenen Jahren.

Die Frage muss erlaubt sein, was sich die Regierung dabei gedacht hat? Es besteht selbst bei den privatisierungswütigsten Politikern vermutlich Einigkeit darüber, dass es sensible Betätigungsfelder gibt, die keinesfalls privatisiert werden dürfen. Beispiele sind die Landesverteidigung, die Finanzverwaltung, die Polizei, die Landes- und Bundesverwaltungen, der Zoll, die Funkverwaltung und einiges mehr.

Angesichts der gegenwärtigen Situation ergibt sich jetzt die Frage, ob nicht auch die Grund-Versorgung mit elektrischer Energie einschließlich des dazu nötigen Leitungsnetzes eine staatliche Aufgabe ist, die nicht verkauft werden kann, ohne die Sicherheit des Staates extrem zu gefährden?

Eine entsprechende staatliche Instanz hätte die Möglichkeit, privaten Erzeugern Lizenzen zur Stromlieferung zu festgelegten Bedingungen zu erteilen, aber auch selbst entsprechend tätig zu sein, vor allem aber den zukünftigen Bedarf an elektrischer Energie, ihre Herkunft, ihre Verteilung und Durchleitung unter strikter Beachtung politischer Vorgaben zu planen und durchzusetzen.

So, wie die Lage gegenwärtig ist, ist sie ein schlechter Witz.

Waldemar Herrmann,

Dreilingen

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