Leserbrief

Das Nebeneinander gestalten

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Axel Bürgener wünscht sich weitsichtigen Umgang mit der Wolfsthematik. Er meint, Aufstallungen und der blick über den regionalen Tellerrand könnten helfen.

Zur AZ-Berichterstattung über Wölfe, Risse von Schafen und den Umgang mit dem Raubtier schreibt Axel Bürgener aus Wangerland-Wiarden:

Wenn man aktuelle Berichterstattung, Kommentare und Leserbriefe liest, wähnt man sich im Krieg. Der Angreifer ist schnell ausgemacht. Das ist der Wolf und sein Verbündeter in Menschengestalt Minister Stefan Wenzel – auf dem wohl sorgsam ausgewählten ungünstigen Foto mit grimmigem Blick. Der Hass, der insbesondere in Leserbriefen Tier und Mensch gegenüber ausgedrückt wird, lässt nicht nur Sachkenntnis und Fairness in der Auseinandersetzung mit einem vielschichtigen Problem vermissen, sondern in den persönlichen Angriffen auf den Minister auch ein Mindestmaß an Anstand.

Falschmeldungen, heute Fakenews genannt, befördern zumal in weniger gebildeten Kreisen ein Bewusstsein, das der Realität nicht entspricht und mit der Bezeichnung „postfaktisch“ zum Wort des Jahres wurde. Es stimmt bedenklich, dass diese bisher den sogenannten sozialen Medien vorbehaltenen Fehlentwicklungen im gesellschaftlichen Diskurs nun auch am Beispiel Wolf in der regionalen Presse eine Rolle spielen.

Mit Legendenbildung geschürter Hass hat einst in weniger aufgeklärter und kultivierter Zeit zur grausamen Verfolgung und Ausrottung einer heute aus gutem Grunde streng geschützten Tierart geführt. Diesem überwunden geglaubten unseligen Zeitgeist entgegenzutreten, sollte als Aufgabe aller verstanden werden, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen.

Dabei dürfen die berechtigten Sorgen der Nutztierhalter und unterschwellige Ängste in der verunsicherten Bevölker-ung keineswegs übersehen oder auch nur geringgeschätzt werden. Aber es gibt rechtskonforme Möglichkeiten für die Gestaltung eines konfliktarmen Nebeneinanders von Mensch und Wolf auch bei uns. Nächtliche Aufstallung, tatsächlich wolfsabweisende Zäune und Herdenschutzhunde, aber vor allem auch eine sachliche Aufklärung über die Lebensweise und Bedürfnisse der Wölfe in unserer Kulturlandschaft gehören ebenso dazu, wie ein Blick auf Regionen, in denen der Wolf nie ausgerottet wurde und trotz gelegentlicher Übergriffe auf Nutztiere gelassen als selbstverständlicher Teil der Natur akzeptiert oder doch hingenommen wird.

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