Namen nach anderen Trägern

Zur Spray-Aktion von Eckehard Niemann:

Ich gestehe, ich bin nicht glücklich darüber, dass sich Herr Niemann zu dieser Sprayaktion hat hinreißen lassen, und am wenigsten dürfte er es selber sein. Als Mitglied im Verband der Bürgerinitiativen gegen die A 39 kenne ich Herrn Niemann lange aus nächster Nähe und habe sein Engagement für die gemeinsame Sache, seinen scharfen Intellekt und seine kluge Streitkultur schätzen und bewundern gelernt. Nicht immer macht man sich nur Freunde, wenn man in Kollision mit den Interessen anderer, vielfach mächtigerer Gruppen gerät. Da stimmt es nachdenklich, wenn, angefangen von der Berichterstattung bis zu den teilweise gehässigen Kommentaren, von Kultur keine Rede sein kann. Das beginnt mit der reißerischen Aufmachung auf der ersten Zeitungsseite „Im Visier des Staatsschutzes“ und führt zur Anschuldigung, hier liege eine linksgerichtete Straftat vor, die mit dem Anzünden von Autos gleich gesetzt wird. Wo bleiben da die Maßstäbe? Wer rüttelt denn da an den Grundfesten unseres demokratischen Rechtsstaates?

Natürlich war das Sprayen eine Ordnungswidrigkeit, und das hat Herr Niemann anerkannt, und er hat die Konsequenzen daraus gezogen. Er ist von seinem Posten als Vorstandssprecher zurückgetreten, ohne abzuwarten, bis es nicht mehr anders ging – beispielhaft in heutiger Zeit. Damit hat er dem Verband der Bürgerinitiativen gegen die A39 einen Dienst erwiesen, den wir ihm hoch anrechnen, auch wenn es für uns schmerzlich ist, ihn an dieser Stelle zu vermissen . Aber wir wissen, er hat damit seine Überzeugungen nicht preisgegeben, und es gibt eine Reihe anderer Streiter, die seinen Platz einnehmen können. (Die BI war immer auf kollektive Führung angelegt!).

Ich möchte noch ein Wort zur Sprayaktion sagen. Herr Borvin Wulf hat sehr klar ausgedrückt, dass Graffiti nicht gleich Graffiti ist. Wer nur des Sprayens wegen Wände, Züge und Autos beschmiert, lässt sich wirklich nicht mit dem vergleichen, der durch eine solche Aktion eine Aussage machen will, die auf andere Weise kein Gehör findet. Das soll keine Entschuldigung sein, vielleicht aber der Versuch einer Erklärung für eine Entgleisung. Die sollte nun aber wirklich nicht über Gebühr dramatisiert werden, sonst muß man vermuten, dass andere Kreise auf diesem Feuer ihr Süppchen kochen möchten. Wie wäre es, einen Blick auf diejenigen zu werfen, die ein Straßenfest gewissermaßen zu Ehren eines Menschen feiern, der nach allem, was man – unwidersprochen – hört, nicht gerade ein lupenreiner Demokrat war? Es war wohl bei Herrn Niemann auch der Frust darüber im Spiel, hier mit Argumenten gegen eine Mauer des Unverständnisses anzurennen.

Einen versöhnlichen Vorschlag las man vor einiger Zeit in der AZ, mit dem auch Anrainer leben könnten, ohne ihre Geschäftspapiere neu drucken zu müssen: die Staßennamen sollten beibehalten werden, aber anderen, weniger belasteten Trägern gleichen Namens gewidmet werden. Die hinterlassen, wie Johann Maria Farina, einen von uns allen als angenehm empfundenen Duft!

Uwe Krieg

Masbrock

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