AZ-Leserbrief

„Musterschüler belohnen“

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Frank Nierath fragt in seinem Leserbrief, warum man in coronafreien Landkreisen nicht die Öffnung zum Beispiel von Kitas unter Auflagen wieder erlaubt.

Zur Corona-Berichterstattung der AZ äußert sich dieser AZ-Leser:

Seit Wochen hat man den Eindruck, dass die „Klassenlehrerin“ Frau Merkel und die „Fachlehrerinnen und -lehrer“, die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten, uns „Schülerinnen und Schülern“, die Bürgerinnen und Bürger der Landkreise, in einen Strafarbeitsraum geschickt haben, damit wir darüber nachdenken, was wir Schlechtes angestellt haben. Sozusagen das Malus-Prinzip, wogegen nichts einzuwenden ist.

Seit zwei Wochen gibt es aber auch „Musterschülerinnen und -schüler“, die sich gut betragen haben, aber auch im Strafarbeitsraum sitzen müssen, etwa der Landkreis Uelzen, der sogar regelmäßig in den Abendnachrichten als coronafreier Vorzeige-Landkreis genannt wird. Nun gibt es aber auch das Bonus-Prinzip: Warum können diese „Schüler“, zum Beispiel der Landkreis Uelzen oder nun auch Sachsen-Anhalt, unter strengen Sicherheitsregeln nicht aus dem Strafarbeitsraum entlassen werden?

Sicherlich, es besteht vermutlich eine hohe Dunkelziffer Corona-Erkrankter, und es gibt viele auswärtige Menschen, die den Landkreis besuchen, oder Menschen, die berufsbedingt den Landkreis morgens verlassen und abends zurückkehren. Dennoch: Im Landkreis Uelzen gibt es trotz der zahlreichen Lockerungen immer noch viele, die unter den Einschränkungen wegen Corona massiv leiden:

Eltern, Kleinkinder, Schüler, Geschäfte, Firmen, Restaurants, Cafés, Freibäder, Fitnessstudios, Kirchen – man kann sie nicht alle aufzählen, jeder weiß aus seinem Bekanntenkreis darüber zu berichten.

Deshalb mein Vorschlag: Warum erhalten die Landkreise nicht mehr Befugnisse und Vollmachten, um regional mit Hilfe fachkundiger Beratung durch das Gesundheitsamt individuelle Entscheidungen treffen zu können, die jeden Tag neu überprüft und jederzeit wieder geändert werden können? Nachdem die „Klassenlehrerin“ in der letzten „Klassenkonferenz“ am 6. Mai nun ihre Befugnisse auf die Fachlehrkräfte übertragen hat, sollten nun auch die Fachlehrkräfte ihre Befugnisse auf die eigenverantwortlich handelnden „Schülerinnen und Schüler“ übertragen. Zumindest einen zeitlich begrenzten Versuch wäre es wert.

Frank H. Nierath, Ostedt

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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