Was muss noch passieren?

Der Wolf gehört für AZ-Leserin Kristina Meyer ins Jagdrecht. Konsequenz seines Auftretens sei auch, dass viele Weidetiere in Zukunft nur noch in Ställen gehalten werden. Archivfoto: dpa

Zu den Berichten über die Wolfsattacken auf Schafe und Damwild schreibt Kristina Meyer aus Kölau.

Die Bilder von gerissenen, aufgetriebenen kleinen Weidetieren machen deutlich, dass der Wolf kein höflicher, edler Gast ist. Die Panik und Todesangst der Herden kann man sich vorstellen. Unsere Weiden, hin und wieder auch in der AZ mit dem Untertitel „idyllisches Kölau“ abgebildet, sind bevölkert von rund 50 Pferden und Rindern: Mutter- stuten mit Fohlen, Reitpferde und Gnadenbrotler. Die Rinder leben in einer intakten Herde, die Kälbchen leben bei den Müttern und kennen ihren Vater als schönen stolzen Bullen und nicht als Tierarzt mit langen Gummihandschuhen. Der junge Landwirt produziert Biofleisch aus artgerechter Haltung. Die Zäune sind bei so großen Weidetieren üblicherweise Stromdrähte, zum Teil Gräben und Holzzäune. Lassen wir unsere Pferde nun über Nacht draußen? Die Vision ist folgende: mehrere Wölfe umzingeln die Tiere. Irgendwann erfolgt der Angriff. Erst gerät ein Tier in Panik, die sich sehr schnell auf die übrige Herde überträgt. Die Tiere auf den Nachbarweiden schließen sich an. Es gibt nichts, das einen 1000 kg-Bullen oder 600 kg-Pferde in Todesangst aufhalten könnte, erst recht keine ganzen Herdenverbände. Aus Kölau würde dann also eine 50 Tiere starke Herde in Panik davonlaufen, verfolgt vom Hetzjäger Wolf. Dieser läuft in einer Nacht bis zu 70 km! Bis zur B71 sind es 2000 Meter. Uelzen liegt 20 km entfernt. Dazwischen Dörfer, mehr Weidevieh, Fußgänger, Autoverkehr. Die Konsequenz: Weidetiere wieder in den Stall, denn der Halter haftet für seine Tiere. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Rind in Panik grässlich schmeckt, ein traumatisiertes Pferd unreitbar ist, und der Tierhalter seine Tiere liebt. Personal für ständige Nachtwachen, den guten alten Schäfer, gibt es kaum, oder ist unbezahlbar. Und was sollte er auch machen? In die Hände klatschen? Bitte nehmt den Wolf ins Jagdrecht auf, oder was muss noch passieren?

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